Gesundheit : Forschen rund um die Uhr

Klima und Kultur, globale Ordnung und moderne Gesellschaft: Die FU hat ihre Stärken gefunden

Tilmann Warnecke

Anderthalb Jahre haben die deutschen Universitäten auf den Exzellenz-Wettbewerb gewartet. Mitte Juni gaben Bund und Länder endlich grünes Licht: Um insgesamt 1,9 Milliarden Euro in den nächsten sechs Jahren konkurrieren die Hochschulen nun bundesweit. Gefördert werden sollen Graduiertenschulen, Forschungscluster – und bis zu zehn Unis für ihre Forschungsstrategie. Wir stellen in loser Folge vor, mit welchen Forschungsschwerpunkten sich die Berliner und andere große Universitäten beteiligen wollen.

An der Freien Universität gilt für viele Wissenschaftler eine Urlaubssperre. Statt am Strand zu liegen, heißt es bis August: in Windeseile Projekte ausformulieren und Anträge vorbereiten. Denn der Terminplan ist eng: Schon am 1. August will die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) Absichtserklärungen sehen, womit die Hochschulen in den Wettbewerb gehen. „Da werden wir rund um die Uhr zu tun haben“, sagt der Politologe Thomas Risse, der für die FU ein Cluster zum Thema „Regieren in der globalisierten Welt“ plant.

Stören tut das niemanden – im Gegenteil. Wie Risse sehen viele den Wettbewerb als Chance, für lange geplante, ambitionierte Vorhaben endlich einmal mehr als nur das nötigste Geld zu bekommen, falls man den Zuschlag erhält. So brennt Risse seit langem die Verbesserung der Postdoktoranden-Förderung auf den Nägeln. „Da hinken wir in Deutschland hinterher“, sagt der Politologe.

Mit fünf Graduiertenschulen und fünf Forschungsclustern will die FU antreten (siehe unten). Wenn man sich bei den Wissenschaftlern umhört, scheint der Wettbewerb an der FU ein Ziel schon erreicht zu haben: Vernetzen soll sich die deutsche Forschung – und genau das passiert derzeit mit neuer Energie. „Wenn man stark sein will, muss man gute Partner finden. Alleingänge helfen jetzt nicht weiter“, sagt die Politikwissenschaftlerin Barbara Riedmüller. Die ehemalige Berliner Senatorin hat für das Cluster „Diversity“ schon Gespräche mit mehreren Instituten geführt – und auch mit Kranken- und Rentenversicherungsträgern, die sie in ihr Projekt einbeziehen möchte.

„Sondierungsphase“ nennt Präsident Dieter Lenzen die Zeit bis zum 1. August. Jetzt müsse man gucken, mit welcher Uni man „Bereiche, in denen man selbst etwas schwächer ist, gemeinsam zu starken Feldern“ mache. Gemeinsam sind wir stark: So scheinen auch die Präsidenten an den beiden anderen großen Berliner Universitäten zu denken. Das ist nicht so selbstverständlich wie es klingt. Gerade die Freie Universität und die Humboldt-Universität sehen sich oft als Konkurrentinnen. Ende letzter Woche traf sich FU-Präsident Lenzen jedoch mit seinen Präsidentenkollegen Jürgen Mlynek von der Humboldt-Uni und Kurt Kutzler von der Technischen Universität. Das Ergebnis: Bei drei Forschungsfeldern wollen die Hochschulen prüfen, gemeinsam anzutreten. Bei den Graduiertenschulen könnten es sogar bis zu sechs gemeinsame werden. Um welche Kooperationsfelder es sich handeln könnte, ist noch nicht bekannt. Aus fachlichen Überschneidungen müssen erst noch gemeinsame Stärken werden.

Bisher erschienen: Humboldt-Universität zu Berlin (27. Juni).

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