Gesundheit : Forscher suchen im Tiefseeboden nach Erdgasvorräten

Thomas De Padova

Tief unten im Meeresboden liegen große Erdgasvorräte. Sie enthalten nach Einschätzung von Geowissenschaftlern mehr Kohlenstoff, als in allen bekannten fossilen Quellen zusammen gelagert ist. In dieser Woche diskutieren Experten aus zehn Ländern an der Technischen Universität Berlin darüber, wie sich diese Erdgasvorkommen zunächst zu Forschungszwecken anzapfen und dereinst möglicherweise für die Energiegewinnung nutzen lassen.

Mit der herkömmlichen Erdgasgewinnung hat dies nicht allzu viel zu tun. Denn die Gasvorräte verbergen sich in den Sedimenten der Ozeane in kleinen Eiskristallen. Diese schneeähnlichen Gashydrate findet man in nahezu allen Weltmeeren, vor allem aber an Kontinentalabhängen, wo der Boden langsam abfällt.

Vor der Südostküste des US-Bundesstaates South Carolina zum Beispiel sind die Bedingungen besonders günstig. Unter dem nährstoffreichen, kalten Wasser haben die Bodenbakterien mit dem Abbau organischer Substanzen, etwa von Plankton, allerhand zu tun. Das schließlich in der Tiefe bei der Methangärung entstandene Gas, das Methan, wird in einer Art Käfig festgehalten: bei den niedrigen Temperaturen und hohen Drücken, wie sie am Meeresboden herrschen, schließen Wassermoleküle die Gast-Atome ein.

"Die Erdgeschichte hat diese Vorräte geschaffen", sagt Claus Marx vom Institut für Tiefbohrtechnik, Erdöl- und Erdgasgewinnung der Technischen Universität Clausthal. "Und was sich da zusammenballt, stellt alle Vorkommen die wir sonst haben, gewaltig in den Schatten."

Nun rätseln Forscher nicht nur über den vermutlich beträchtlichen Einfluss dieses Methans auf das Erdklima, sondern auch darüber, wie sie den Schatz am Meeresgrund eines Tages bergen könnten, wenn andere Quellen versiegen. Denn bei Wärmeentwicklung oder Druckänderung schmelzen die Eiskristalle, und das Gas verflüchtigt sich. Gelingt es jedoch, sie aus mehreren tausend Metern Tiefe an die Oberfläche zu holen, kann man einen interessanten Effekt beobachten: Die feste Masse brennt, wenn sie angezündet wird. Sie wird deshalb auch als "brennendes Eis" bezeichnet.

Unter Leitung von Hans Amann vom Fachgebiet Maritime Technik der Technischen Universität Berlin entwickeln acht Firmen und Institute aus sechs EU-Staaten derzeit ein neues Probe-Entnahmesystem. "Wir müssen im Sediment schneiden, ohne dass es zur Wärmeentwicklung oder zu Verschiebungen kommt", sagt Amann. Die Probe müsse anschließend in ein Druckgefäß gepackt, hochgezogen und in ein Laborgefäß verfrachtet werden.

"Es ist im Grunde genommen noch nicht mehr, als eine Sprudelwasserflasche zuzukriegen und nach oben zu bringen." Doch unter Experten gilt schon dies als sehr diffizil. "Wir stehen immer noch am Anfang", sagt Amann. Zuerst gehe es darum, das Vorkommen der Gashydrate zu studieren, aber auch, auf welche Weise zerfallende Gashydrate gewaltige Unterwasser-Hangrutsche auslösen können. "Es ist langfristig auch eine Energieressource, die aber nur angegangen werden kann, wenn die offenbar erheblichen ökologischen Implikationen bekannt sind."

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben