Gesundheit : Forscher weisen auf die Wirkung von Abwässern hin

Michael Byrnes

Die Seegrasweiden an den Küsten werden immer kleiner - sie weichen zurück vor den Abwässern der Städte und der Landwirtschaft. Wenn das Seegras verschwindet, entstehen Unterwasserwüsten, die den Meeresbewohnern weder genug Nahrung noch einen Raum zum Leben bieten.

Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, dass in Australien rund 450 Quadratkilometer Seegras abstarben, in den USA rund 900 Quadratkilometer. Als erste betroffen sind Krabben und Hummer. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Lage vor den Küsten der Industrieländern weltweit vergleichbar ist.

Ursache für das Seegrassterben sind der australischen Wissenschafts- und Industrie-Forschungsorganisation (CSIRO) zufolge die Abwässer: "Wir haben die größten Verluste vor dichtbesiedelten Gebieten und Industriezentren."

Ohne Seegras kein Sand

Die Giftstoffe aus der Industrie und aus den Haushalten, aber auch die Düngemittel, die bei der Bodenerosion ausgewaschen und ins Meer geschwemmt werden, lassen das Seegras und die Algen sterben. Vor dem großen Sterben, vor 15 Jahren, war die Seegrasfläche in den australischen Küstengewässer, auf der gut die Hälfte der weltweit 70 Seegrassorten wachsen, rund 52 000 Quadratkilometer groß.

Seegras ist mit den Landpflanzen verwandt und dient Meeresbewohnern sowohl als Nahrungsquelle als auch als Lebensraum für nahrhafte Mikroorganismen. "Wenn Seegras abstirbt, wird der Sand weggespült. Dies führt zum Verlust anderer Lebensformen", sagt Alain Butler, Wissenschaftler der CSIRO. Langfristig seien auch Meeresbewohner wie der Thunfisch in Gefahr, die weiter draußen lebten.

Mit den größten Einbußen müssen nach Einschätzung der CSIRO die Krabbenindustrie rechnen.

In Australien hätten sie 1998/99 224 australische Dollar (rund 270 Millionen Mark) an Exporterlösen eingebracht. Auch bei Hummern müssten Fischerei und verarbeitende Industrie mit zunehmenden Verlusten rechnen, wenn sich die Entwicklung weiter fortsetzen sollte.

Im vergangenen Jahr noch brachte die Delikatesse 450 Millionen australische Dollar (rund 550 Millionen Mark) ein.

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