Gesundheit : Forschungsfinanzierung: Helmholtz-Institute sollen leistungsfähiger werden

Bärbel Schubert

"Da haben wir ein Meisterstück hingelegt", war sich Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) sicher. Der designierte Präsident der umgestalteten Helmholtz-Gemeinschaft, Walter Kröll, stimmte ihr zu, als beide nach mehr als zwei Jahren Verhandlungszeit das neue Konzept der größten deutschen Forschungsorganisation vorstellten. Künftig werden die Großforschungszentren danach ihre Mittel mit Projektideen einwerben müssen. Eine feste Förderung für jede Einrichtung soll es nicht mehr geben. Das Gründungsprotokoll dafür wurde am 12. September unterzeichnet.

Leistungsfähiger sollen die Forschungsinstitute mit diesem "neuartigen" Finanzierungskonzept werden - und bekannter. Von der Max-Planck-Gesellschaft haben viele Menschen schon gehört. Doch wer ist die Helmholtz-Gemeinschaft? Unter deren Dach sind so bekannte Einrichtungen versammelt wie das Hahn-Meitner-Institut, das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg oder das Max-Delbrück-Zentrum für Molekulare Medizin in Berlin. 25 000 Mitarbeiter haben die 15 Zentren, die im ganzen Bundesgebiet verstreut sind. Mit 2,6 Milliarden Mark erhalten sie in diesem Jahr immerhin ein Viertel von Bulmahns Forschungsetat, die ihnen dementsprechend einen "hohen Stellenwert" in der Forschungspolitik bescheinigt. Das Umsteuern dieses "Kolosses" wird die Reformen in der ganzen deutschen Forschungslandschaft beeinflussen.

Der Bund als Hauptfinanzier (90 Prozent) wird künftig nur noch den Rahmen wichtiger Entscheidungen vorgeben. In sechs großen Programmbereichen werden sich die Zentren um Forschungsmittel bewerben: Gesundheit, Energie, Verkehr und Weltraum, Struktur der Materie, Erde und Umwelt sowie Schlüsseltechnologien. Eine Zusammenarbeit mit den Hochschulen und der Wirtschaft wird ausdrücklich gewünscht. Mit der Programmförderung soll sich auch die Geschwindigkeit verbessern, in der neue Forschungsansätze aufgegriffen werden. "Allein schon die Umstellung der Förderung wird zu einem Bewusstseinswandel führen", meint Bulmahn. "Es ist klar, dass die Programme nicht endlos laufen." Parallel zur Forschung am Programm sollen schon neue Ideen entwickelt werden.

Über die Bewilligung der Anträge entscheidet letztlich der Senat, dem "externe Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik" angehören werden. Wieviel Geld für die einzelnen Programmbereiche aufgewandt werden soll, wo somit Schwerpunkte gesetzt werden, steht dann zur Verhandlung. Ist die Energieforschung mehr Wert als die Umweltforschung oder die Gesundheitsforschung? Solche Fragen werden künftig anders verhandelt als bisher.

Doch was geschieht mit den Mitarbeitern eines Zentrums, das durch erfolglose Projektanträge gerade weniger Geld einwerben konnte? Das Personal wird in erfolgreichere Bereiche verlagert, erläutert Kröll, der noch in diesem Jahr zum Präsidenten gewählt werden soll. Vereinbart wurde, dass nicht mehr als fünf Prozent des Personals pro Jahr und Zentrum abgebaut werden darf. Ob künftig in diesem Bereich, der bisher zum öffentlichen Dienst gehört, das Kündigungsrecht erweitert wird, hängt auch von den Verhandlungen über den neuen Wissenschafts-Tarifvertrag ab. Vorerst stehen die Zeichen günstig: der Bund will im nächsten Jahr 200 Millionen mehr geben, also 2,8 Milliarden Mark.

Ein Zugeständnis an die Kritiker der Umstrukturierung ist auch, dass 20 Prozent dieser Mittel weiterhin für nicht programmgebundene Forschung ausgegeben wird. Damit können beispielsweise neue Programme vorbereitet werden. Ein Fördertopf beim Präsidenten ist außerdem dazu da, an den Schnittstellen zwischen verschiedenen Bereichen zu forschen. Ein ehrgeiziges Projekt, dem nun auch die Kritiker zugestimmt haben.

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