Gesundheit : Forschungsorganisation: Der Koloss soll effizienter werden

Bärbel Schubert

Die Großforschungseinrichtungen des Bundes bekommen eine neue Struktur. Die Vorstände der 15 Forschungszentren in der Helmholtz-Gemeinschaft haben dazu am 12. September das Gründungsprotokoll für einen gemeinsamen Verein unterzeichnet. Präsident des neuen "Helmholtz-Gemeinschaft e.V." (HGF) soll Walter Kröll werden. Bisher leitet der Physiker Kröll (63) das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln.

Mit 25 000 Mitarbeitern an 15 Zentren ist die HGF die größte deutsche Forschungsorganisation. Die Jahresförderung beträgt zurzeit 2,6 Milliarden Mark und soll im kommenden Jahr auf 2,8 Milliarden Mark steigen. Die neue Organisationsform soll dazu führen, dass die bisher sehr eigenständigen Forschungszentren enger zusammenarbeiten. Im Gespräch ist auch eine Vernetzung der Einrichtungen mit verwandten Forschungsgebieten, besonders in der Gesundheitsforschung und der Biotechnologie. Unter dem Dach der HGF sind so unterschiedliche Einrichtungen versammelt wie das Alfred-Wegener-Institut für Meeresforschung in Bremerhaven, das Deutsche Elektronen-Synchrotron in Hamburg, das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg, wie auch das Hahn-Meitner-Institut und das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin sowie das Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle.

Bei der Umstrukturierung stützt sich Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) auf ein Gutachten des Wissenschaftsrates. Dementsprechend wird auch die Finanzierung der HGF-Institute umgestellt. Bisher bekamen sie ihr Geld ganz überwiegend als festes Budget. Künftig müssen die Zentren ihre Mittel mit Programmen einwerben. In einer Vorbereitungsphase haben sie dies schon mit einem gemeinsamen Fonds erprobt. Der Bund verspricht sich davon auch, neue Zielsetzungen schneller umzusetzen. Auf dem Wunschzettel stehen etwa mehr Forschung zu erneuerbaren Energien und mehr Ausgründungen von Firmen, also neue Arbeitsplätze.

Die Expertenkritik an der deutschen Forschung, sie greife neue Richtungen zu schwerfällig auf, sollen künftig die Zentren selbst ausräumen. Sie entwickeln selbst Vorschläge zu den Programmbereichen. Ob sie das auf diese Weise tatsächlich leisten können und welche Voraussetzungen dafür in den "Bewilligungsinstitutionen" von Bund, Ländern und EU geschaffen werden müssen, ist offen.

Wenn die HGF-Programmbereiche mehr Eigenverantwortung erhalten, soll das auch eine Machtverschiebung von den Ministerien in die Zentren bedeuten. Das heißt, in den Ministerien müssten auch Arbeitsbereiche und damit Stellen abgebaut werden. Gelingt dies nicht, droht sogar mehr Bürokratie als bisher. An den Hochschulen wird dies teilweise schon vorgemacht, wenn zwar Entscheidungen in die Hochschulen verlagert werden, Ministerien aber zugleich einen umfangreichen Kontrollapparat dazu entwickeln.

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