Gesundheit : "Forum Bildung": Bund-Länder-Empfehlung

Bärbel Schubert

Bund und Länder wollen sich im Bildungssystem künftig stärker für die Förderung der Chancengleichheit engagieren. Dazu soll besonders die frühe Förderung in Kindergarten und Grundschule ausgebaut werden. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) und Bayerns Wissenschaftsminister Hans Zehetmair (CSU) stellten dazu am Donnerstag in Berlin Empfehlungen vor, auf die sie sich im Bund-Länder-Gremium "Forum Bildung" verständigt haben.

Alle Prognosen gehen davon aus, dass Geringqualifizierte in Zukunft nur noch dramatisch schlechte Berufsaussichten haben. "Angesichts dieser anhaltenden Entwicklung dürfen wir nicht gleichgültig bleiben, wenn nach wie vor neun Prozent der Schulabgänger nicht einmal den Hauptschulabschluss erreichen, 15 Prozent der Jugendlichen insgesamt und 40 Prozent der ausländischen Jugendlichen in Deutschland ohne abgeschlossene Berufsausbildung bleiben", sagte Bulmahn zur Begründung.

Förderung sei um so wirkungsvoller sei, je eher sie einsetze. Daher sollten besonders Kindertageseinrichtungen besser für die Förderung genutzt werden. Mit gezielter Förderung in Lesen, Schreiben, Rechnen und beim Spracherwerb könne die Grundschule am besten dem späteren Schulversagen vorbeugen. Doch dafür bekomme sie zu wenig Geld. Die Grundschule ist in Deutschland das Stiefkind bei den Bildungsausgaben. Mit 3490 US-Dollar pro Schüler liegt Deutschland deutlich unter dem OECD-Schnitt. Dänemark, Norwegen und die Schweiz geben dagegen weit über 6000 US-Dollar pro Kind aus. Außerdem sind die deutschen Grundschulklassen besonders groß. Für die Sekundarstufe II gibt Deutschland dagegen deutlich mehr Geld aus als andere Länder.

Bulmahn: "Diese Verteilung muss man in Frage stellen." Zehetmair, der auch Sprecher der unionsgeführten Länder in der Kultusministerkonferenz ist, meinte, dass sich die bessere Ausstattung der Grundschulen aber nicht kostenneutral machen lasse. Bulmahn will mit der Mobilisierung von Begabungen aus der Normalbevölkerung auch den Fachkräftemangel in den Ingenieur- und Naturwissenschaften bekämpfen. Dort kommen traditionell viele Studenten nicht aus Akademiker-Elternhäusern.

In einer weiteren Empfehlung haben sich beide Seiten darauf verständigt, künftig Leistung und Erziehung gleichberechtigt als Bildungsziele zu betrachten. Der jahrelange Streit um das Primat des einen oder anderen in der Schule ist damit wohl zunächst beigelegt. Auch soll Fachwissen immer verknüpft mit seiner Anwendung vermittelt werden. Bund und Länder haben vor gut einem Jahr das Forum Bildung ins Leben gerufen, um einen gemeinsamen Grundkonsens in den zentralen Bildungsfragen zu suchen.

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