Gesundheit : Fossil beweist: Auch Säugetiere hatten Giftzähne wie Schlangen

Dagny Lüdemann

Paläontologen haben in Kanada die versteinerten Schädelüberreste eines ausgestorbenen Säugetiers entdeckt, das Giftzähne trug: Bisonalveus browni war ein Raubtier – nicht größer als eine Maus. Seine oberen Eckzähne weisen jeweils eine große Rille in der Mitte auf. Durch die Furche floss Gift, mit dem das Tier seine Beute betäuben oder sogar töten konnte, vermuten Richard Fox und Craig Scott von der Universität Alberta, deren Entdeckung am Donnerstag im Fachblatt „Nature“ (Band 435, Seite 1091) veröffentlicht wurde. Der kleine Säuger lebte vor rund 60 Millionen Jahren in Nordamerika und ist mit keiner der heute lebenden Arten verwandt.

Zähne mit Rillen hatten die Paläontologen schon vorher entdeckt – doch sie wussten nicht, von welchem Tier diese Einzelfunde stammten. Erst der jetzt entdeckte Schädelrest mit gut erhaltenen Teilen von Ober- und Unterkiefer ermöglichte die Zuordnung. Giftzähne mit ähnlichen Rillen kennt man nur von Trugnattern – im Säugetierreich ist der Fund einzigartig. „Weder bei lebenden Arten noch an Fossilien ausgestorbener Tiere haben wir so etwas bisher gesehen“, schreiben die Forscher. Es gibt zwar Säuger, die ihre Beute vergiften können, aber ihre Zähne sehen ganz anders aus als bei Bisonalveus browni. Schlitzrüssler zum Beispiel, von denen es weltweit nur zwei Arten gibt, haben innen eingekerbte Schneidezähne, die das Gift von einer Drüse in das Opfer leiten.

Den Trick mit dem Gift, der von Schlangen bekannt ist, hatten Zoologen Säugetieren nur in Ausnahmefällen zugetraut. Doch das kanadische Fossil und die Entdeckung weiterer gefurchter Zähne, deren Herkunft unbekannt ist, weisen darauf hin, dass diese Methode des Beutefangs auch unter Säugern verbreitet war: „Unser Fund zeigt, dass sich Speichelgifte auch bei den Säugetieren mehrmals in der Evolution unabhängig voneinander entwickelt haben“, meinen Fox und Scott.

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