Gesundheit : Fraunhofer-Gesellschaft: Gute Geschäfte

Heiko Schwarzburger

Die Fraunhofer-Gesellschaft für angewandte Forschung (FhG) wächst weiter. Im laufenden Jahr gibt die Gesellschaft rund 645 Millionen Euro für Forschungsprojekte aus, 30 Millionen mehr als im Vorjahr. Bund und Länder steuern rund 250 Millionen Euro als Grundfinanzierung bei, hinzu kommen fast 100 Millionen Euro aus öffentlich geförderten Projekten. Die Europäische Union steuerte 75 Millionen Euro bei. 250 Millionen Euro warb die Fraunhofer-Gesellschaft aus der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft ein. Ihre wichtigste Aufgabe besteht darin, neue Produkte und Dienstleistungen für die Industrie und das Handwerk zu entwickeln.

"In den kommenden Jahren wollen wir unsere Forschungen in der Biotechnologie, in der Mobilität und in den Kommunikationstechniken ausbauen", nannte Fraunhofer-Präsident Hans-Jürgen Warnecke die Ziele. So soll in Aachen ein Forschungszentrum für grüne Gentechnik entstehen, in dem gentechnisch veränderte Pflanzen und Lebensmittel entwickelt werden. Das Fraunhofer-Institut für biomedizinische Technik in Saarbrücken will eine Arbeitsgruppe in Potsdam-Golm gründen, aus Forschern der Humboldt-Universität und aus Bergholz-Rehbrücke. "Dort ist auch ein Neubau geplant", bestätigte Warnecke, ohne Einzelheiten zu nennen.

Um bei den Informationstechnologien mitmischen zu können, will die FhG an der Übernahme der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD) festhalten. Die GMD ist auch eine Großforschungseinrichtung des Bundes, allerdings widmet sie sich mehr dem wissenschaftlichen Vorlauf in dieser Branche. Mit der Fusion von GMD und FhG will die Bundesregierung eine Brücke zwischen den Grundlagen und der angewandten Forschung schlagen. Ohne Reibungen geht das nicht ab: Bisher sperren sich die rund 1000 Mitarbeiter der GMD gegen die Fusion. "Der Bund und die drei Sitzländer der GMD könnten bis Juli 2001 ihre Anteile an die FhG übertragen", gab sich Hans-Jürgen Warnecke dennoch optimistisch. "Bis Ende 2001 könnte die Fusion vollzogen sein."

Die Fraunhofer-Gesellschaft hat derzeit auch das Berliner Heinrich-Hertz-Institut im Blick, das vom Bund und vom Land Berlin zu gleichen Teilen getragen wird. "Die Gespräche laufen erst an", berichtete Hans-Jürgen Warnecke. "In diesem Fall wird eine Fusion aber von den Mitarbeitern ausdrücklich begrüßt."

Die FhG will auch eine Tochterfirma etablieren, um Ausgründungen mit Risikokapital zu unterstützen. Seit vier Jahren verzeichnet der Forschungsriese eine steigende Zahl von Existenzgründungen aus den eigenen Reihen. 1999 waren es fast 50, in diesem Jahr werden es zwischen 60 und 70 sein. Das wirft natürlich Personalprobleme auf: "Die Fluktuation unserer Wissenschaftler ist mit zwölf Prozent außerordentlich hoch", bestätigte Warnecke. Um die besten Köpfe halten zu können, will die FhG-Spitze leistungsabhängige Gehälter einführen. "Damit laufen wir beim Bund und bei den Gewerkschaften aber noch gegen Mauern", räumte Warnecke ein. Die Forscher der FhG sind angehalten, ihre Ergebnisse in eigener Regie zu vermarkten. "Dadurch entsteht für sie eine erhebliche Mehrbelastung", konstatierte der FhG-Präsident.

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