Gesundheit : Fremdsprachen: Am besten lernt man Spanisch im Tandem

Denise Dismer

Irgendwann gibt es eine Belohnung für Vokabellernen, Grammatikpauken und Aussprachetraining: Wenn es gelingt, den Cappuccino auf einer Florentiner Piazza in sicherem Italienisch zu bestellen, wenn man den französischen Film endlich ohne Untertitel versteht. Und selbst das Vokabellernen lässt sich angenehm gestalten. Wenigstens in Berlin, wo es genügend Ausländer gibt, die sich für die Deutschen und ihre Sprache interessieren. Und die bereit sind, eine Tandem-Partnerschaft einzugehen. Das sieht so aus: Zwei Sprecher verschiedener Muttersprachen treffen sich regelmäßig zur Konversation - in der Kneipe, im Museum oder nach einem gemeinsamen Kinobesuch. Beide nehmen dabei abwechselnd den Part des Lehrers ein, korrigieren oder erklären, wenn der andere etwas nicht versteht.

Organisiert werden solche Partnerschaften zum Beispiel von der FU. "Der Wunsch danach, Fremdsprachen zu praktizieren, ist enorm", sagt Ines Gessner, Leiterin des Tandem-Programms. "Wir haben ein Defizit an nicht-deutschen Muttersprachlern." Gerade am Anfang des Wintersemesters stehen die Chancen, einen Partner in der Wunschsprache zu ergattern, aber nicht schlecht: Studenten aus aller Welt beginnen jetzt ihr Austauschjahr in Berlin.

Wer an der FU keinen Partner in der gewünschten Sprache findet, kann sich ans Goethe-Institut wenden. Denn dort sind deutsche Muttersprachler Mangelware. Vermittelt werden Partnerschaften für alle Sprachen. "Am stärksten nachgefragt sind immer noch die Standardsprachen, also Französisch, Englisch und Spanisch", sagt die Tandembeauftragte Elena Daut. "Aber inzwischen sind auch weniger geläufige Sprachen im Kommen, zum Beispiel Arabisch oder Japanisch."

Voraussetzung für eine Tandempartnerschaft sind Grundkenntnisse in der Fremdsprache. Doch wer eine wenig verbreitete Sprache von Grund auf erlernen möchte, hat an den Unis schlechte Karten. Denn die Sprachenzentren bieten nur Unterricht in Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Russisch an, die FU hat außerdem Tschechischkurse im Programm, an der TU kann man Portugiesisch lernen. Die übrigen Sprachen werden an den verschiedenen Fachbereichen gelehrt; in Absprache mit dem Kursleiter können auch Leute teilnehmen, die nicht für Studiengänge wie zum Beispiel Afrikanistik oder Skandinavistik eingeschrieben sind. Selbst bei den großen Sprachen ist es aber schwierig, einen Platz zu bekommen, gerade in den Anfängerkursen. "Am beliebtesten ist Spanisch", sagt Harald Preuss, Leiter des FU-Sprachlabors. "Da haben wir oft fünfmal so viele Bewerber wie Plätze." Und wer nicht an der Uni eingeschrieben ist, kann sowieso nur teilnehmen, wenn die Kurse nach Ablauf der Anmeldefrist nicht ausgebucht sind.

Offen für alle Sprachinteressierten sind die Lerngruppen der Sprach- und Kulturbörse (SKB), eines studentischen Projekts an der TU. Zwar zahlt man hier eine Gebühr, (vierzig Stunden kosten 220, ermäßigt 160 Mark) dafür sitzen in den Gruppen nur maximal elf Leute. Im Angebot sind zurzeit 22 Sprachen, darunter Finnisch, Koreanisch, Hebräisch und Persisch. Alle Lehrer sind Muttersprachler, den Unterricht gestalten sie gemeinsam mit ihren Schüler. "Bei uns geht es nicht nur darum, Grammatik zu pauken, sondern kommunikative Fähigkeiten zu entwickeln", sagt Minka Hoheisel, die Deutsch als Fremdsprache unterrichtet.

Auch die SKB vermittelt und betreut Tandempartnerschaften, außerdem finden einmal wöchentlich Sprachzirkel statt: In Café-Atmosphäre werden in kleinen Gruppen unter Anleitung eines Muttersprachlers verschiedene Themen diskutiert. Sprachzirkel kosten fünf Mark pro Abend oder zwanzig Mark pro Semester, das MultiKultiCafé ist kostenlos und für alle Interessierten offen. Und wer weiß - vielleicht bringt einem hier ein netter Italiener endlich bei, das "R" zu rollen. Revanchieren kann man sich dann mit einer Einladung zum Cappuccino - in Florenz.

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