Gesundheit : Fremdsprachen an deutschen Schulen: Erst wenige Länder denken an einen vorgezogenen Beginn der zweiten Fremdsprache

U. S.

Baden-Württemberg beginnt im nächsten Schuljahr an 400 von 2500 Grundschulen mit Englisch oder Französisch in der ersten Klasse. Begonnen wird mit zwei zusätzlichen Stunden und einer integrativen Stunde, die Themen aus anderen Fächern aufgreift. Aber weil alles zunächst als Begegnungssprache gestartet wird, werden die Sprachübungen auf fünf mal 15 bis 20 Minuten auf fünf Tage in der Woche verteilt. Im Land wird bereits darüber diskutiert, ob zumindest in den Gymnasien die zweite Fremdsprache in der fünften Klasse gestartet werden kann. Das sind noch offene Fragen, aber die Vorverlegung der zweiten und dritten Fremdsprachen um ein oder zwei Jahre wird ernsthaft erwogen.

Bayern hat schon vor Jahren in einigen ersten Klassen der Grundschulen Frühfranzösisch eingeführt. In den meisten Grundschulen wird der Ersteinstieg in Englisch, Französisch oder Italienisch bereits in den dritten und vierten Klassen geboten. Das geschieht in 3500 Klassen. Wenn genügend Lehrer weitergebildet worden sind, soll um 2003 das Angebot flächendeckend werden. Der Unterricht macht zunächst spielerisch mit Sprache und Kultur des anderen Landes vertraut - zwei Stunden pro Woche stehen dafür zur Verfügung. Nach guten Erfahrungen mit dem früheren Beginn der zweiten Fremdsprache in Klasse sechs an den Europäischen Gymnasien plant Bayern für alle Gymnasien eine Vorverlegung der zweiten Fremdsprache im Jahr 2003.

Hamburg startete schon im Schuljahr 1991/92 mit Versuchen, Englisch in der dritten Grundschulklasse zu lernen. "Die Erfahrungen sind überaus positiv." Die Sprachfähigkeit der Fünftklässler wird heute als höher entwickelt eingeschätzt als die von Schülern, die noch kein Englisch in der Grundschule hatten.

Hessen hat es seit 1979 den Grundschulen freigestellt, schon mit vorgezogenem Sprachunterricht zu beginnen. Inzwischen bieten von 1170 Grundschulen über 1000 die erste Fremdsprache in der dritten und vierten Klasse an. Die Stundentafel wurde um zwei Wochenstunden erweitert.

Nordrhein-Westfalen beginnt mit der Einführung von Englisch als erster Fremdsprache von der dritten Klasse an im Jahre 2003. Englisch soll nicht nur spielerisch geboten werden, sondern in der dritten und vierten Klasse ist eine systematische Darbietung von Grundkenntnissen geplant, damit die weiterführenden Schulen daran anknüpfen können. Zwei zusätzliche Stunden werden an den Grundschulen dafür aufgewendet. Nordrhein-Westfalen schließt eine Vorverlegung der zweiten und dritten Fremdsprache im weiteren Vollzug der Reform nicht aus.

Niedersachsen hat mit Englisch oder Niederländisch von der dritten Klasse an schon vor zwei Jahren in ausgesuchten Grundschulen begonnen - und zwar bei der Einführung der verlässlichen Grundschule. Zwei zusätzliche Stunden werden für den Frühstart draufgelegt. Inzwischen geht das Ministerium davon aus, dass über 1000 von 1800 Grundschulen in Niedersachsen bis zum Ende dieses Schuljahrs diesen Frühstart anbieten. Grundlage für die Gestaltung des frühen Fremdsprachenunterrichts ist die spielerische Begegnung. Weitergehende Pläne, den Beginn der zweiten und dritten Fremdsprache vorzuverlegen, gibt es bisher nur intern. Erst will das Ministerium eine landesweite Schulbefragung im Herbst auswerten.

Berlin führt die Begegnung mit Englisch von der dritten Grundschulklasse an zum 1. August 2002 ein - mit zwei Stunden mehr Unterrichtszeit. Welche Folgen der frühere Start in Englisch für eine mögliche Vorverlegung der zweiten und dritten Fremdsprache haben wird, konnte Landesschulrat Hansjürgen Pokall noch nicht sagen. Im Englischunterricht von der dritten Klasse an wird mehr das Sprechen im Mittelpunkt stehen als die Grammatik. Berlin beginnt jetzt mit einer entsprechenden Lehrerfortbildung - würde die Stadt auf eine noch einzurichtende Hochschulausbildung für den frühen Fremdsprachenunterricht warten, könnten die ersten Lehrer erst nach acht Jahren zur Verfügung stehen. Ein bilingualer Start mit zwei Sprachen von der ersten Klasse an wird an den 17 Europaschulen in der Stadt geboten.

Brandenburg bietet jetzt schon an 38 Prozent aller Grundschulen Englisch als Begegnungssprache von der dritten Klasse an. Ziel ist es, Englisch zur Lehrgangssprache mit Grammatik in der dritten Klasse aufzuwerten. Im ganzen Land soll das bis zum Schuljahr 2004/2005 erreicht werden. Alles hängt davon ab, dass bis dahin genügend Lehrer ausgebildet worden sind. Weitergehende Überlegungen, die zweite Fremdsprache nicht erst in der siebten Klasse beginnen zu lassen, sondern vorzuverlegen, gibt es noch nicht.

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