Gesundheit : Frisch Geklonte könnten länger Leben - Steigt die Lebenserwartung mit der Chromosomenlänge?

Hartmut Wewetzer

Während Klon-Schaf "Dolly" noch auf der Wiese herumturnt, scheinen seine Zellen bereits im Altersheim zu sein. Das fanden die "Dolly"-Erzeuger vor zwei Jahren heraus. Doch jetzt hat eine im Fachblatt "Science" veröffentlichte Untersuchung an sechs geklonten Kälbern genau das Gegenteil ergeben: die Zellen der Kälber erwiesen sich als "jünger" als die Tiere selbst. Das schließen die Forscher aus der Vermessung der Chromosomenenden - je länger die "Lebensfäden", umso größer die Lebenserwartung der Zelle. Warum das so ist, kann bislang niemand sagen.

Robert Lanza und seinen Kollegen von der Biotechnik-Firma Advanced Cell Technologies in Worcester im US-Bundesstaat Massachusetts scheint also das Kunststück gelungen zu sein, die Uhr des Lebens wieder zurückzudrehen. Ihr Versuch legt die These nahe, dass die Erbsubstanz einer erwachsenen Zelle, wenn sie in eine Eizelle übertragen wird, gleichsam eine Verjüngungskur durchmacht. Die Forscher wollen nun herausfinden, warum die Eizelle zum Jungbrunnen für Seniorenzellen wird. Gelingt ihnen das, könnte das die Gewebezucht für die Medizin wesentlich erleichtern.

Allerdings sollte man mit voreiligen Behauptungen über die mögliche Lebensspanne "geklonter" Menschen vorsichtig sein. Zwar teilten sich in einem weiteren Versuch Zellen aus geklonten Kalbsföten 93mal, während Zellen aus nicht geklonten Tieren sich nur 61mal verdoppelten. Ein geklonter Mensch könnte demnach also um einiges länger leben als ein herkömmlich gezeugter, mutmaßt "Science" - "180 bis 200 Jahre". Aber dieser Rückschluss könnte ein Kurzschluss sein, denn das Altern eines Menschen mit Billionen von Zellen hängt nicht nur vom Teilungsvermögen seiner Zellen oder der Chromosomenlänge ab.

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