Gesundheit : Frühe Donkosaken

Moderne Menschen kamen vor gut 40 000 Jahren nach Russland. Steinzeitliche Fundstücke belegen das

Roland Knauer

Steinerne Speerspitzen und Sticheln, Nadeln aus Tierknochen und ein Stück Elfenbein – diese Fundstücke vom Mittellauf des Don erzählen von der Wanderung des modernen Menschen heraus aus Afrika. 42 000 bis 45 000 Jahre lang lagen die Utensilien von Steinzeitmenschen an der „Kostenki“ genannten Stelle, rund vierhundert Kilometer südlich von Moskau, begraben („Science“, Band 315, Seite 223).

Derart alte Spuren von Homo sapiens wurden bisher nirgends in Europa gefunden. Ein internationales Forscherteam hat nun das Alter der Speerspitzen und Knochenwerkzeuge mit einer „optisch induzierten Lumineszenz“ genannten Methode bestimmt. Die Funde sind zudem mit einer Schicht aus Asche bedeckt, die ein Vulkan vor rund 40 000 Jahren über Süd- und Osteuropa verstreut hatte. Alles unter der Asche sollte älter sein.

Solche Altersbestimmungen funktionieren nur auf wenige tausend Jahre genau. Moderne Menschen der Art Homo sapiens könnten also Ost- und Westeuropa ungefähr gleichzeitig erreicht haben, wie Johannes Krause erklärt. Der Forscher vom Max-Planck-Institut (MPI) für evolutionäre Anthropologie in Leipzig untersucht die Geschichte der Neandertaler mit Methoden der Gentechnologie. Knapp 40 000 Jahre sind zum Beispiel die ältesten Homo sapiens-Steinwerkzeuge alt, die in Österreich gefunden wurden. Und vor etwa 36 000 Jahren starb ein Mensch, dessen Überreste im heutigen Rumänien entdeckt wurden.

Vor ungefähr 120 000 Jahren tauchten die ersten modernen Menschen im heutigen Israel auf. Damals hatten sich die Gletscher der vorletzten Eiszeit noch weiter als heute zurück gezogen. Nach wenigen tausend Jahren kam die Eiszeit zurück und beendete das Intermezzo des Homo sapiens im Nahen Osten. Vor 50 000 oder 60 000 Jahren verließ der moderne Mensch erneut Ostafrika und gelangte bis nach Südostasien. Sogar in Australien hinterließ Homo sapiens seine ersten Spuren bereits vor ungefähr 44 000 bis 48 000 Jahren. Auch in den Süden Afrikas wanderten damals Menschen ein, wie ein 1952 in der Stadt Hofmeyr in der südafrikanischen Provinz Ostkap gefundener Schädel beweist.

Nun konnte ein internationales Forscherteam, zu dem auch Katarina Harvati vom Leipziger MPI zählt, das Alter der Knochen auf ungefähr 36 000 Jahre festlegen („Science“, Band 315, Seite 226). Dieser Schädel ähnelt stark dem gleich alten Homo sapiens-Fund in Rumänien. Südafrikaner und Europäer sollten also wirklich von der gleichen Menschengruppe in Ostafrika abstammen.

Nachdem Homo sapiens vom heutigen Djibouti in Afrika aus auf die Arabische Halbinsel übergesetzt war, kam der Vormarsch im westlichen Asien für 5000 oder 10 000 Jahre ins Stocken. Vor rund 45 000 Jahren erreichten die Menschen die auch damals eisfreien arktischen Gebiete Sibiriens. Wohl gleichzeitig begann der lange Marsch des Homo sapiens aus dem Zwischenstopp im westlichen Asien in die Mittelmeerregion und in den Süden und Westen Europas. Den Osten Europas erreichten unsere Vorfahren wohl eher über den Kaukasus, wie die neuen Funde am Don zeigen.

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