Gesundheit : FU Berlin: Zahnmediziner fürchten um das Semester

Uwe Schlicht

Die Zahnmedizinstudenten der FU sind empört: Sie sammeln Unterschriften für eine Sammelklage gegen die Freie Universität vor dem Verwaltungsgericht. Sie wollen am Freitag den Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen, wenn er in das Klinikum Benjamin Franklin kommt, mit ihrer Ausbildungsmisere konfrontieren. Die Studenten der Zahnmedizin fürchten, dass in diesem Semester ihre wichtigen scheinpflichtigen Kurse im zehnten Semester ausfallen, weil eine Assistentenstelle nicht zur Wiederbesetzung freigegeben wurden und dazu noch drei Krankheitsfälle unter den wissenschaftlichen Mitarbeitern zu beklagen sind. Wenn aber mehr als zwei Kurse ausfallen, kann das Semester nicht anerkannt werden. Diese kritische Grenze ist jetzt schon, direkt nach Vorlesungsbeginn erreicht.

Fragt man die Professoren, Ralf Radlanski als den geschäftsführenden Direktor der Zahnklinik und Andrej Kielbassa, ob die ausgefallenen Kurstermine während der Semesterferien im August nachgeholt werden können, sagen beide: "Es gibt keine Chance zum Nachholen." Der Grund: Unmittelbar an den letzten Kurstermin am Freitag schließen sich für die Studenten im zehnten Semester am Montag die Prüfungen im zahnmedizinischen Staatsexamen an.

Beide Professoren sprechen von einer Krise ihres Faches, weil die Zahnmedizin seit dem unseligen Beschluss der Politiker von 1996, sie an der FU zu schließen und nur noch an der Humboldt-Universität anzubieten, als unterfinanziertes Fach fortgeführt wurde. 15,9 Millionen Mark sollten damals durch die Streichung der Zahnmedizin eingespart werden - das war die Vorstellung der Politiker. Das untersagte das Landesverfassungsgericht, aber das Land Berlin gab der FU deswegen nicht das abgezogene Geld zurück. Die FU startete eine Rettungsaktion, weil sie sich nicht immer mehr Teile der Medizin herausbrechen lassen wollte, nachdem ihr schon das Klinikum Rudolf Virchow und die Zahnklinik Nord genommen worden waren. Seitdem wird die Zahnmedizin immer schlechter finanziert: zur Zeit mit 8,1 Millionen Mark. Das hat Folgen, die jetzt noch durch das 39-Millionen-Defizit des gesamten Fachbereichs dramatisiert werden. "Wenn man ein Defizit abbauen muss, bewegt man sich an der Grenze des Zumutbaren," sagt der Prodekan für Studium und Lehre, Professor Manfred Gross, dem Tagesspiegel. Der Zahnmedinzier Professor Ralf Radlanski hält dagegen: "Andere Universitäten haben für die Ausbildung von über 40 Studenten pro Semester 14 bis 16 Assistenten zur Verfügung." An der FU stehen laut Sollplan den Zahnmedizinern nur 12 Assistentenstellen zur Verfügung. Da zwei nur als Dreiviertel-Stellen gelten, sind de facto nur 10,5 Stellen für die Betreuung der Studenten zu veranschlagen. Jeder Krankheitsfall wird zur Notlage.

Die Größe der Kurse lässt sich auch nicht beliebig erhöhen, weil Studenten der Beaufsichtigung bei der Behandlung der Patienten bedürfen. Professor Radlanski kommentiert: "Es ist ein Fehler, wenn die Klinikumsleitung wegen des Spardrucks dazu übergeht, Anstellungsverträge nur kurzfristig abzuschließen. Wir sind jetzt an einem Limit angekommen: Wenn wir noch billiger werden sollen, geht es in der Zahnmedizin nicht mehr weiter."

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