Gesundheit : FU-Bibliothek sperrt Juristen aus

Amory Burchard

Hunderte angehender Juristen, Wirtschaftswissenschaftler und Mediziner standen gestern fassungslos vor dem Eingang der Philologischen Bibliothek der Freien Universität in Berlin-Dahlem. Nur noch Geistes- und Sozialwissenschaftler hatten Zugang zu dem vor einem Jahr eröffneten Bau mit 640 Leseplätzen. Bibliotheksmitarbeiter kontrollierten die Studentenausweise, Nichtphilologen wurden weitgehend ausgesperrt. Die Plätze müssten für Studierende und Wissenschaftler frei bleiben, die mit den Beständen der Präsenzbibliothek arbeiten, erklärt Bibliotheksleiter Klaus Ulrich Werner. Seit Wochen werde die Philologische Bibliothek stark von Studierenden anderer Fachbereiche beansprucht, die sich auf ihre Prüfungen und Staatsexamen vorbereiten – mit mitgebrachten Büchern.

Zwei Monate vor dem Examen von seinem Arbeitsplatz vertrieben zu werden sei eine Zumutung, sagt Jura-Studentin Sandra Krienelke. Sie gehört zu den vielen Studierenden, die seit Wochen jeden Morgen um neun auf die Öffnung der Bibliothek warten, um einen der begehrten Leseplätze zu ergattern. Der von dem britischen Stararchitekten Lord Foster entworfene Kuppelbau inmitten des Hauptgebäudes der Freien Universität ist hochmodern ausgestattet, die sämtlich nach außen gerichteten Plätze ermöglichen ein konzentriertes Arbeiten – an Wochentagen von neun bis 22 Uhr. Und das Haus ist anders als die Dahlemer Bibliotheken der Juristen und Wirtschaftswissenschaftler klimatisiert. In der Sommerhitze sei es unmöglich dort zu arbeiten, klagen Krienelke und ihre Kommilitonen. Sie sammelten am Dienstagmorgen Unterschriften gegen die Aussperrung und zogen zum Präsidialamt, um sich zu beschweren.

„Wir mussten die Notbremse ziehen“, rechtfertigt Widu-Wolfgang Ehlers, Dekan des Fachbereichs Philosophie und Geisteswissenschaften, die Entscheidung. In der vergangenen Woche habe man den Juristen, Medizinern und Wirtschaftswissenschaftlern 210 klimatisierte Arbeitsplätze in der Dahlemer Takustraße angeboten, weitere Plätze in einem Seminarraum im Hauptgebäude. Mediziner könnten in die Bibliothek am Steglitzer Charité-Standort ausweichen, sagt Bibliotheksleiter Werner. Aber die Foster-Bibliothek blieb attraktiver, der Andrang ließ nicht nach.

Man wolle sich nicht abschieben lassen, argumentieren die betroffenen Studierenden. Und Plätze, die die Bibliotheksleitung schon in den vergangenen Tagen für Philologen reserviert hatte, seien oft bis in den Nachmittag frei geblieben. Bibliotheksleiter Werner verteidigt die Platzreserve – und sieht in ihr eine Lösung des Konflikts: Ab Mittwochmorgen will er zunächst wieder 100 Plätze täglich an Nichtphilologen vergeben. Dieses Kontingent könne erhöht werden, falls tatsächlich eine große Zahl von Stühlen frei bleibt.

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