Gesundheit : FU-Medizin: "Wie die Lemminge"

Berlin will die Medizin an der Freien Universit&au

Berlin will die Medizin an der Freien Universität dicht machen. Wie bewerten Sie diese Entscheidung?

Ich halte diese Entscheidung für eine Katastrophe für Berlin und die Wissenschaft in Berlin. Die wesentliche Stärke von Berlin ist seine Wissenschaft. Wir haben hier keine andere wirtschaftliche Grundlage. Gerade diese Komponente zu schwächen, ist für mich ein Lemming-Verhalten.

Was bedeutet die Schließung für Ihre Einrichtung, das Max-Planck-Institut für molekulare Genetik, als Nachbar der FU?

Ich glaube, dass die Erhaltung der wissenschaftlichen Lebensfähigkeit hier in Dahlem eine enorme Bedeutung haben sollte. Allein meine Abteilung war maßgeblich daran beteiligt, dass 300 Millionen Mark an Fördermitteln nach Berlin flossen. In der Stadt befindet sich etwa ein Drittel der deutschen Genomforschung. Wir haben große Beiträge auch zu Firmenneugründungen geleistet. Die stärkste Konzentration von neuen Unternehmen kommt aus der FU, zum Teil aus der Medizin - zum Beispiel die Firma Mologen. Wir als Max-Planck-Institut sind dabei, mit der medizinischen Fakultät Professoren zu berufen. Und Planungen für ein gemeinsames Genom-Zentrum mit der FU-Medizin sind weit gediehen. Das alles geschieht angesichts der Tatsache, dass die Genom-Forschung ein enormes Zukunftspotenzial hat, das nur vergleichbar ist mit der Mikroelektronik-Revolution. Mit dieser Entscheidung wird die Chance, dass sich ein Silicon-Valley im Genom-Bereich und am Standort Dahlem entwickelt, fast vereitelt.

Wo denken Sie, kann man denn sparen?

Berlin hat einen aufgeblähten Verwaltungsapparat. Die Stadt sollte versuchen, Personal, das nicht wirklich gebraucht wird, in anderen Bereichen unterzubringen. Zum Beispiel, indem Berlin Firmen oder Forschungsinstituten die Hälfte des Gehaltes des freigestellten Personals zahlt, damit diese Leute auf Zukunftsgebiete umgeschult werden.

Was kann man an den Universitäten tun?

Die Stadt sollte Druck auf die Unis ausüben, damit die Mittel in den wirtschaftlich und medizinisch relevanten Bereich fließen. Es ist völlig legitim, dass eine arme Stadt Wert darauf legt, dass das Geld jenen zugute kommt, die Firmengründungen ermöglichen und damit Arbeitsplätze schaffen.

Wie wäre es mit der Privatisierung des Universitätsklinikums?

Ich kann mir gut vorstellen, dass die Privatisierung des Klinikums und vielleicht der ganzen Universität eine Lösung wäre, um die verkrusteten Strukturen aufzubrechen.

Das würde politisch nicht gewollte Studiengebühren nach sich ziehen.

Wer studiert, verdient später meist mehr als andere Leute. Die Kosten für Studiengebühren rentieren sich deshalb. Mir war noch nie verständlich, wieso Leute, die relativ wenig Geld bekommen, mit der Finanzierung der Hochschulen die Ausbildung jener Menschen bezahlen, die später mehr verdienen. Das ist eine Umverteilung von Arm zu Reich.

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