Gesundheit : FU-Semesterbeginn: Wowereit begrüßt Studenten

Anja Kühne

Überraschende Programmänderung auf der Immatrikulationsfeier der Freien Universität: Der angekündigte Festredner, der Schauspieler Peter Ustinov, ist schwer erkrankt und muss operiert werden, wie FU-Präsident Peter Gaehtgens bekannt gab. "Ich soll Ihnen sagen, er findet es höchst bedauerlich, dass er nicht sprechen kann und hofft, dass der Besuch bald nachzuholen ist."

In die Bresche sprang der Regierende Bürgermeister, der sich anstrengte, den "lieben Erstis" sowohl einen verschmitzten Hercule Poirot als auch einen temperamentvollen Nero zu bieten. Als Erstes stellte sich Klaus Wowereit hinter den Asta-Vertreter Schauer, der zuvor heftig die Uni-Leitung für die Kürzung des Projekttutorien-Programms kritisiert hatte: "Wenn die Studenten nicht aufmüpfig sind, wer soll es dann sein?", fragte Wowereit. Allerdings gehe es nicht an, die eigene Uni nur schlecht zu machen: "Als Erstsemester hätte ich nach Ihrer Rede fluchtartig den Saal verlassen und mich woanders eingeschrieben." Wowereit hat sein erstes Semester 1973 in Jura an der FU begonnen - am gleichen Fachbereich studierten auch Landowsky und Diepgen.

Zum Thema Online Spezial: Uni-Start Wowereit lobte den "intellektuellen Reichtum" Berlins, für den sich in Zukunft auch die Wirtschaft engagieren müsse: "Es kann doch nicht normal sein, dass eine Oper mal so eben eine Million Mark von Sponsoren bekommt und die Unis nichts!" rief er. Immer lauter wurde Wowereits Stimme, als er die Rasterfahndung und die Bombenangriffe auf Afghanistan rechtfertigte und sich gegen die Wahlkampfplakate der Republikaner und der NPD wandte - "nicht, weil der Regierende Bürgermeister dort diffamiert wird, sondern weil sie Ausgrenzung propagieren".

Dass die vielen neuen Studenten, die ins Audimax gekommen waren, "keine normale Immatrikulationsfeier" erleben würden, hatte schon Präsident Gaehtgens angekündigt. Auf seinen Wunsch gab es diesmal keine musikalischen Unterbrechungen. "Nach dem 11. September müssen wir mit uns selbst ins Gericht gehen", sagte Gaehtgens. Alle Dozenten müssten darüber nachdenken, ob sie ausreichend auf die Fragen junger Menschen eingegangen seien. "Eine Rechtfertigung für die europäische Arroganz gibt es nicht!" sagte er. Gewalt sei keineswegs nur eine Sache des Islam: "Intoleranz ist dem Judentum so wenig fremd wie dem Christentum." Alle ausländischen Studierenden sollten "vorbehaltlos als Gäste behandelt werden", niemand, der aus dem Orient an die FU komme, werde dort verdächtigt.

Unter denjenigen Studenten, die stellvertretend für ihre 5000 neuen Kommilitonen Begrüßungsurkunden vom Präsidenten entgegennahmen, befanden sich diesmal auffällig viele mit ausländischem Namen sowie eine Muslimin mit Kopftuch.

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