Gesundheit : "Führungselite" fehlt Erfahrung in Asien und den GUS-Staaten

Sonja Kastner

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn wünscht sich, dass mehr deutsche Studierende als bisher wenigstens ein Semester im Ausland verbringen. Ziel der Bundesregierung sei es, den Anteil der deutschen Studierenden, die ein oder mehr Semester im Ausland studieren, von derzeit zehn Prozent in den nächsten Jahren auf 20 Prozent zu steigern, sagte Bulmahn auf einer gemeinsamen Veranstaltung der Bundesregierung mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) am Montag in Berlin. Ebenso solle der Anteil der ausländischen Studierenden an deutschen Hochschulen von derzeit sechs Prozent auf zehn Prozent erhöht werden. In diesem Jahr will das Bundesministerium für Bildung und Forschung den DAAD mit 100 Millionen Mark fördern.

Der Präsident des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) Theodor Berchem forderte, dass deutsche Studierende verstärkt ihren Auslandsaufenthalt in außereuropäischen Ländern verbringen sollten. Den größten Anteil deutscher Studierenden, rund zwei Drittel, ziehe es zur Zeit ins europäische Ausland, rund 16 Prozent nach Nordamerika. Für den großen Rest der Welt interessieren sich nur 21 Prozent der Studierenden, beklagte Berchem. Er befürchtet ein "Kulturmonopol" einer Führungselite, die ihre Ausbildung in den Vereinigten Staaten, Großbritannien oder Australien absolviere. "Unsere künftigen Führungseliten müssen auch Erfahrungen in Mittelosteuropa, in den GUS-Staaten, in Lateinamerika und Asien sammeln, wenn unser Land weiterhin zu den führenden Industrienationen gehören will." Bei einem Auslandsstudium gehe es nicht nur darum, Fachwissen anzuhäufen. Vielmehr sollten die Studierenden in Schlüsselqualifikationen ausgebildet werden. Das Erlebnis und die Erfahrung, Fremder zu sein, seien wichtig für die eigene Identitätsfindung. Berchem appellierte an die Hochschulen, mehr Großzügigkeit bei der Anerkennung von im Ausland erbrachten Studienleistungen walten zu lassen.

Mit drei neuen Programmen möchte der DAAD die Mobilität von deutschen und ausländischen Studierenden fördern. Eines zielt darauf ab, die Zusammenarbeit zwischen deutschen Hochschulen und Hochschulen in den GUS-Staaten, in Südostasien und in Lateinamerika durch den Austausch von Studierenden zu intensivieren. Das zweite Programm baut auf dem bereits etablierten Sokrates- beziehungsweise Erasmus-Programm auf. Gefördert werden sollen hierbei Studiengänge, die ein internationales Doppeldiplom ermöglichen - vorerst allerdings nur in Kooperation mit britischen Hochschulen und vorzugsweise in den Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften. Mit dem dritten Programm möchte der DAAD Studierenden mit Stipendien ermöglichen, ein Praktikum in einer internationalen Organisation zu absolvieren. Das oft beklagt Defizit an deutscher Präsenz bei solchen Organisationen soll so behoben werden, sagte Berchem.

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