Gesundheit : Für die Elite bei den Unis sparen Rektoren sorgen sich

um Wettbewerb

Uwe Schlicht

Die Hochschulrektoren befürchten, dass die Länder ihre im bundesweiten Exzellenzwettbewerb erfolgreichen Universitäten nicht mit frischem Geld fördern werden. Vielmehr sei zu erwarten, dass einige Länder die Gelder für die Hochschulen an anderer Stelle reduzieren, um ihre im Exzellenzwettbewerb ausgezeichneten Universitäten entsprechend ausstatten zu können. Das erklärte der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Peter Gaehtgens, in Bonn vor 120 Vertretern der deutschen Universitäten und Fachhochschulen.

Der Wettbewerb wird von Bund und Ländern mit 1,9 Milliarden Euro bis zum Jahr 2011 finanziert. 75 Prozent der Gelder kommen vom Bund. Das im Wettbewerb jeweils erfolgreiche Land muss 25 Prozent der Kosten gegenfinanzieren. Deswegen können auch die offiziellen Anträge für die Teilnahme am Wettbewerb nur dann bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft gestellt werden, wenn sie „über die zuständigen Wissenschaftsbehörden der Länder“ eingereicht werden. Anträge, für die das jeweilige Sitzland keine Gegenfinanzierung zusichert, werden im Wettbewerb nicht berücksichtigt. Wegen dieser scharfen Konditionen besteht die Befürchtung, dass einzelne Länder von ihren erfolgreichen Universitäten verlangen, die Sitzlandquote in Höhe von 25 Prozent selbst zu erwirtschaften.

In der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK), die den Exzellenzwettbewerb bis zur Vertragsfassung ausgearbeitet hat, ist von einem Tricksen der Länder bei der Gegenfinanzierung nichts bekannt. Das erklärte der Generalsekretär der BLK, Jürgen Schlegel, dem Tagesspiegel. Auch der Generalsekretär des Wissenschaftsrats, Wedig von Heyden, hat nichts davon gehört, dass einzelne Länder ihren 25-prozentigen Anteil an der Finanzierung von Graduiertenschulen und Clustern mit Verrechnungstricks gestalten wollten. Von Heyden sprach die Hoffnung aus, dass es bei den bisherigen Zusagen bleibe.

Auf der Tagung der HRK in Bonn sind Einzelheiten aus einem internen Papier der Deutschen Forschungsgemeinschaft über die dritte Säule des Exzellenzwettbewerbs bekannt geworden. Nur diejenigen Universitäten können an der dritten Säule des Wettbewerbs, die „Zukunftskonzepte“ (im Volksmund: das Prädikat „Eliteuni“) erfolgreich teilnehmen, die mindestens eine Graduiertenschule und einen Exzellenzcluster eingeworben haben. Auch muss die Exzellenz in verschiedenen Wissenschaftsbereichen nachgewiesen werden. Diese Wissenschaftsbereiche sind für das Profil der jeweiligen Universität bestimmend. Die DFG verlangt zudem eine nachhaltige Sicherung der Exzellenz – das erfordert entsprechende Berufungspolitik bei den Professoren und gezielte Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Außerdem werden die ohnehin schon an einer Universität angesiedelten Sonderforschungsbereiche in dem Wettbewerb um die Zukunftskonzepte eine Rolle spielen, denn interdisziplinäre Forschung gilt heute als die eigentliche Herausforderung.

Natürlich ist in der dritten Säule des Wettbewerbs die Frage wichtig, in welcher Höhe Drittmittel eingeworben werden und ob die Universität für international renommierte Wissenschaftler einen Anziehungspunkt bildet. Eine Universität kann nicht für sich allein vor sich hin werkeln – eine Vernetzung mit Partnern ist Bedingung. Gemeint sind außeruniversitäre Forschungsinstitute und wissenschaftliche Abteilungen in den Wirtschaftsunternehmen. Auch Risikoprojekte sollen gewürdigt werden. Die internationale Verflechtung wird ohnehin vorausgesetzt.

Offen ist noch immer, ob sich mehrere Hochschulen zu einem Exzellenzcluster zusammenschließen dürfen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft sieht eine solche Lösung als möglich an, „solange die regionale Schwerpunktbildung deutlich bleibt“. Zwei bis maximal drei Universitäten an benachbarten Standorten können sich durchaus zu einem Exzellenzcluster zusammentun.

Um es an einem Berliner Beispiel zu verdeutlichen: Die Freie Universität will in den Geowissenschaften mit der Universität Potsdam und dem dortigen Geo-Forschungszentrum einen Cluster entwickeln. Wegen der örtlichen Nähe ist das möglich. Die FU plant außerdem mit der Universität Bremen einen gemeinsamen Cluster in Global Governance. Dabei dürfte sie Schwierigkeiten bekommen.

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