Gesundheit : Gebühren sind in Berlin kein Aufreger

Nur wenige Studierende folgen Protestaufruf

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Ein Aktionstag gegen Studiengebühren an den Berliner Universitäten ist gestern auf wenig Resonanz bei den Studenten gestoßen. Etwa 150 Studierende kamen an der Freien Universität zu einer Versammlung, zu der Studierendenvertreter aufgerufen hatten. Dort berichteten Studenten von den Protesten in Hessen, wo die Kommilitonen seit Wochen gegen die Einführung von Studiengebühren auf die Straße gehen. „Wir müssen uns bundesweit zusammenschließen, um der Bundesregierung und den Ministerpräsidenten zu zeigen, dass der Protest gegen Gebühren groß ist“, forderte eine Vertreterin der Uni Frankfurt. Die Berliner klatschten Beifall – aber es gab keinen Beschluss der FU-Studenten, in der Hauptstadt in den nächsten Tagen und Wochen Protestaktionen gegen Studiengebühren zu organisieren. Im Anschluss an die Versammlung zogen allerdings nach Angaben der Polizei etwa 50 Studenten für kurze Zeit zu einer spontanen Demonstration auf die Habelschwerdter Allee in Dahlem.

Auch im Innenhof der Humboldt-Universität versuchten Studierende ihre Kommilitonen zu bewegen, gegen Studiengebühren zu protestieren. Einige Studierendenvertreter hielten am Mittag kurze Reden. „Wir dürfen mit dem Protest in Berlin nicht warten, bis ein Gesetzentwurf für Studiengebühren auch bei uns auf dem Tisch liegt“, appellierte die Sozialwissenschaftsstudentin Sofia an die Kommilitonen. Im Innenhof der Uni blieb es allerdings beim gewohnten Mittagsbetrieb: Die Studenten saßen in der Sonne, tranken Kaffee und unterhielten sich mit Kommilitonen. „Die Diskussion um Studiengebühren geht vollkommen an mir vorbei“, sagte Franziska, die im Hauptfach Kulturwissenschaften studiert. Das Geld würde zwar schon knapp werden, wenn sie neben dem Lebensunterhalt auch noch Studiengebühren finanzieren müsse, sagte die 28-Jährige. Doch eine Alternative zur Einführung der Studiengebühren sehe sie nicht. Dem angehenden Kunsthistoriker Lukas bereitete das Thema nicht allzu große Sorgen, obwohl er prinzipiell gegen Gebühren ist: „Denn notfalls zahlen die Eltern.“

In Berlin will der rot-rote Senat bislang keine Studiengeühren einführen. Das könnte sich nach den Wahlen im September ändern. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und Finanzsenator Thilo Sarrazin (beide SPD) haben mehrfach gesagt, dass sie sich Studiengebühren wünschen. Auch die CDU in Berlin ist für Studiengebühren. mj/ert

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