Gesundheit : Geheimnis der Gewächse: Indischer Pilz lässt Pflanzen sprießen

Niko Deussen

Die Wüste Tharr ist außergewöhnlich trocken. Der fehlende Regen macht die Region im Westen Radschastahns, einem indischen Bundesstaat, völlig unwirtlich. Doch mitten in den aufgewehten Sanddünen gedeihen Kakteen. Das Geheimnis der Gewächse entdeckte Ajit Varma von der Jawaharlal-Nehru-Universität in Neu-Delhi im Boden: Winzige Pilze besiedeln die Wurzeln und versorgen ihre Wirte auch noch bei extremer Trockenheit mit Wasser und den darin gelösten Nährstoffen.

Der indische Mikrobiologe hofft, dass der Wurzelpilz sich demnächst - vor allem in den Entwicklungsländern - als billiger Düngerersatz einsetzen lässt. "Inzwischen wurde der Pilz auch in Pakistan an Graswurzeln, auf den Philippinen nahe Reisfeldern und in Australien an Eukalyptus-Bäumen entdeckt", sagt der Forscher. Zurzeit arbeitet Ajit Varma als Gastwissenschaftler am Botanischen Institut der Tübinger Universität. Zusammen mit seinem deutschen Kollegen Rüdiger Hampp unternahm er zahlreiche Laborexperimente, in denen sich der Wüstenpilz als "Allerweltskerl" entpuppte.

Denn er wirkt nicht nur bei Kakteen. Auch bei anderen Pflanzen kurbelt der Bodenbewohner die Biomasse-Produktion an. Erfolgreich verliefen Versuche mit verschiedenen Baumarten und einer Reihe von Nutzpflanzen wie Tomate, Mais, Weizen, Hülsenfrüchten und Tabak. Für europäische Gärtner käme der Pilz für das Gedeihen von Orchideen in Betracht. Denn die Samen der empfindlichen Knabenkrautgewächse keimen nur in Anwesenheit von Pilzen.

Ungewöhnlich sind solche Symbiosen freilich nicht. Rund achtzig Prozent aller Pflanzen beherbergen an ihren Wurzeln Pilze. Viele dieser Gewächse sind auf solche Pilz-Partnerschaften geradezu angewiesen. Werden etwa Bäume pilzfrei gezüchtet, kümmern sie. Doch der neu entdeckte Pilz hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber seinen Artgenossen: Er lässt sich auch ohne Wirt kultivieren. Gebunden an Lehmpartikel kann er über Monate konserviert und bequem überallhin gebracht und als Düngemittel eingesetzt werden.

Im Erdreich umspinnt der indische Pilz die Wurzeln seines Wirtes. Mit seinen sehr feinen Ausläufern kann er noch Nährstoffe aufnehmen, die das Wurzelsystem der Pflanze nicht mehr erschließen kann. Außer mit Wasser versorgt der Pilz die Pflanze mit Phosphaten, lebenswichtigen Nährsalzen, die Feldern sonst häufig als Dünger zugesetzt werden müssen. Im Gegenzug erhält der Bodenpilz von seinem Gastgeber unentbehrliche Nährstoffe.

Die Gemeinschaft zwischen Gewächswurzeln und Pilzen sorgt bei beiden für gutes Gedeihen. In einigen Fällen beobachtete Varma, dass die Anwesenheit des Pilzes auch vor Krankheitskeimen schützt, vor parasitischen Pilzen, die versuchen, über die Wurzel in die Pflanze einzudringen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar