Gesundheit : Geist der Hauptstadt- Physik

Hermann Rudolph

Amtlich war er der Wissenschaftliche Leiter im Magnus-Haus, aber man kann sagen, dass Theo Mayer-Kuckuk dem Berliner Sitz der Deutschen Physikalischen Gesellschaft den Geist gegeben hat, mit dem sie in die Stadt hineinwirkt. Zwölf Jahre lang hat der Bonner Physiker das Programm gestaltet und damit das schöne barocke Gebäude gegenüber dem Pergamonmuseum in seiner leisen, klugen und subtilen Art als Ort von Diskussion und Kontakt geformt.

Bewusst hat Mayer-Kuckuk den Rahmen weit gespannt. Er hat in den Abendvorträgen – inzwischen mehrere hundert – den unterschiedlichen Themenkreisen Raum gegeben, mit den Berliner Industriegesprächen versucht, den Bogen zur Praxis zu schlagen, und auch an das Interesse der Laien gedacht. Er hat damit nicht nur seiner Wissenschaft ein Forum in der Stadt verschafft, sondern auch dazu beigetragen, dass ein historischer Ort wieder neues Leben gewann. Denn dieses Haus ist eines der in Berlin raren Zeugnisse alter bürgerlicher Wohnkultur, das in seiner Anlage noch in die Zeit Friedrichs II. zurückgeht, und erlebt hat es auch einiges: Von hier nahm die Berliner Physikalische Gesellschaft 1845 ihren Ausgang, hier wohnte aber auch zehn Jahre lang Max Reinhardt.

Die Geschichte reicht bis in die Wendejahre, und Mayer-Kuckuk war auch da dabei. Denn er war es, der damals als Präsident die Vereinigung der Physikalischen Gesellschaft der Bundesrepublik mit der der DDR herbeiführte. Die hatte ihr Zentrum im Magnus-Haus – wo auch der Vereinigungsakt stattfand. Und deshalb war er auch maßgebend daran beteiligt, dass das Haus seinen heutigen Glanz gewann.

Ein Festkolloquium hat Meyer-Kuckuk jetzt verabschiedet, mit zu Recht bewegten Reden: von seinem Nachfolger, Günter Kaindl von der Freien Universität, vom Präsidenten der Physiker-Gesellschaft, Eberhard Umbach, und von Dieter Röß, dem rührigen Vorsitzenden der um die Physikalische Gesellschaft verdienten Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung. Auch Haus-Mitbewohner Richard von Weizsäcker war dabei. Allerdings nicht die Physikerin im Nebenhaus. Wofür man Verständnis haben kann: Sie ist gerade Bundeskanzlerin.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben