Gesundheit : Geistige Gesundheit: Fettarm und geistig gesund

Adelheid Müller-Lissner

Medikamente, die normalerweise vom Arzt verordnet werden, um den erhöhten Cholesterinspiegel des Patienten zu senken, wirken offenbar auch als Bremse für die Entwicklung von geistigen Abbauerkrankungen. Die Einnahme dieser Mittel, die meist kurz Statine genannt werden, kann das Risiko, im höheren Lebensalter an Alzheimer oder anderen Formen der Demenz zu erkranken, deutlich verringern. Soweit das überraschende Ergebnis einer groß angelegten bevölkerungsbezogenen Studie, die gerade im Medizinerblatt Lancet publiziert wurde (Band 356, S. 1627-31).

Die Autoren griffen für ihre Untersuchung auf die gesammelten Daten von 368 Allgemeinmedizinern zu und wählten daraus drei Gruppen von Patienten im Alter zwischen 50 und 89 Jahren aus: Erstens alle 24 480 Patienten, die Blutfett senkende Medikamente erhalten hatten, zweitens alle 11 421 Patienten mit unbehandelter Erhöhung der Blutfette und drittens schließlich 25 000 nach dem Zufallsprinzip herausgegriffene Patienten, die aus anderen Gründen bei den Ärzten behandelt wurden und keine erhöhten Blutfettwerte hatten.

Aus allen drei Gruppen wurden gezielt diejenigen 284 noch lebenden Patienten herausgesucht, die zwischen 1992 und 1998 an einer Demenz erkrankten. Diesen wurde eine Vergleichsgruppe von 1080 noch lebenden Kontrollpersonen aus allen drei genannten Gruppen gegenübergestellt, die nicht an geistigem Abbau litten. Sie wurden wiederum nach Zufallskriterien ausgewählt, allerdings so, dass sie hinsichtlich Alter, Geschlecht und Behandlungsdauer vergleichbar waren. Aus den Patienten der Gruppe drei, die weder eine unbehandelte noch eine behandelte Erhöhung der Blutfettwerte aufwiesen, lässt sich nun das "übliche" Risiko errechnen, an einer Demenz zu erkranken. Vergleicht man damit die Risiken der Patienten der beiden anderen Gruppen, so wird die Risikoänderung durch die Einnahme Fett senkender Medikamente, oder im Gegenteil, durch erhöhte Blutfette erkennbar.

Bei diesem Vergleich zeigte sich nun erstaunlicherweise, dass das Risiko, eine Demenz zu entwickeln, bei denjenigen Patienten, die Statine einnahmen, im Vergleich zur Kontrollgruppe um gut zwei Drittel reduziert war. Dies traf allerdings nicht auf Fettsenker anderer chemischer Zusammensetzung zu. Andererseits war aber auch eine unbehandelte Erhöhung der Blutfette, wie sie die zweite Gruppe zeigte, nicht mit einem erhöhten Risiko verbunden. Daraus schließen die Mediziner, dass die Statine nicht auf dem Weg einer Senkung der Blutfettwerte, also besonders des Cholesterins, vor dem gefürchteten geistigen Abbau schützen. Sie müssen ihre Schutzwirkung auf einem anderen, bisher unbekannten Weg entfalten.

Interessanterweise wurde in einer anderen epidemiologischen Studie, die vor kurzem im Journal of the American Medical Association erschien (Band 283 S. 3205-3210), beobachtet, dass Statine das Knochenbruchrisiko senken. Auch hier steht eine biochemische Erklärung noch aus. Neben der Alzheimer-Krankheit oder einer anderen Form der Demenz gehören Knochenbrüche, die durch Osteoporose begünstigt werden, zu den besonders gefürchteten Leiden des hohen Lebensalters. Der Hinweis auf die hilfreiche Wirkung der Blutfettsenker wird deshalb sicher weitere Forschung nach sich ziehen. Spannend ist jetzt auf jeden Fall, wie sie genau ihre einzelnen Wirkungen erzielen.

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