Gesundheit : „Geld allein hilft auch nicht weiter“ – eine Umfrage zur aktuellen Debatte

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Edelgard Bulmahn, Bundesministerin für Bildung und Forschung: „Natürlich müssen wir in Deutschland mehr in Bildung und Forschung investieren! Und genau das tun wir auch seit Jahren. Der Bildungshaushalt ist unter RotGrün kontinuierlich gestiegen, nach jahrelangen Kürzungen in den Neunzigerjahren. Aber Geld allein ist nicht alles! Wir müssen auch bereit sein, Strukturen zu verändern und Inhalte zu überdenken. Natürlich geht es dabei auch um die Frage der Gerechtigkeit. Das heißt, alle jungen Menschen nach ihren Begabungen zu fördern – unabhängig von den Chancen, die sie aus ihrem Elternhaus mitbekommen. Deshalb ist es auch gerecht und notwendig, an dem Grundsatz festzuhalten, allen jungen Menschen eine kostenfreie Erstausbildung zu garantieren. Ein Aspekt, der bei der Debatte über die Generationengerechtigkeit nicht fehlen darf.“

Dieter Hundt, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände: „Die deutsche Wirtschaft beobachtet mit Sorge das wachsende Phänomen der fehlenden Ausbildungsreife bei Schulabsolventen. Die sozialen Folgen für die Betroffenen und für die Gesellschaft werden immer offensichtlicher. Bedauerlicherweise stagnieren die Bildungsausgaben in Deutschland. Qualität von Bildung misst sich allerdings nicht alleine am investierten Geld, sondern auch an der effizienten Mittelverwendung und den Leistungen. Deshalb müssen wir uns im Bildungswesen mehr am Output orientieren und Qualität kontrollieren. Notwendig dafür sind ein umfassendes Qualitätsmanagement an Schulen und Hochschulen, die Einführung von Bildungsstandards und ein Bildungsmonitoring. Die Lehrergehälter müssen leistungsorientiert gestaltet werden.“

Heinz-Elmar Tenorth, Erziehungswissenschaftler und Vizepräsident der Humboldt-Universität: „Es wird häufig so getan, als sei unser Bildungssystem unterfinanziert. Das ist aber eine Frage der Bezugsgröße: Tatsächlich sind die öffentlichen Bildungsetats ziemlich hoch, mindestens fünf mal höher als der Verteidigungsetat. Wir müssen also fragen, ob das Geld effizient ausgegeben wird. Es fällt auf, dass 88 Prozent unserer Bildungsausgaben ins Personal fließen, im OECD-Durchschnitt sind es 80 Prozent. Mit den hohen Personalausgaben finanziert Deutschland aber nicht kleinere Lerngruppen, sondern primär gute Gehälter. Sie sind um 25 Prozent höher als im OECD-Durchschnitt, nur Japan und die Schweiz zahlen besser. Deswegen werden unsere Probleme nicht gelöst, wenn wir nur Geld ins System pumpen. Es geht um bessere Verteilung.“

Karl Max Einhäupl, Vorsitzender des Wissenschaftsrates und Neurologe an der Charité: „Ein Volk, das auf Grund eines hohen Bildungsniveaus viel erwirtschaftet, wird auch ein hohes Rentenniveau haben. Die zukünftige wirtschaftliche Kraft Deutschlands ist stark verbunden mit dem wissenschaftlichen Engagement. Wo sich heute exzellente Wissenschaft etabliert, wird in zwei Dekaden die Wirtschaft blühen. Wissenschaft muss aber zurückgreifen können auf ein Reservoir von gut gebildeten Schulabgängern. Hier haben wir drei Probleme: Die Zahl der Studienanfänger ist mit 30 Prozent eines Jahrganges viel zu niedrig. Gerade in den neuen Bundesländern droht eine katastrophale demographische Entwicklung. Und auch die Qualität der Schulabgänger muss gesteigert werden. Diesen Dreisprung zu vollziehen, bedarf es einer ungeheuren Anstrengung.“

Dieter Lenzen, Erziehungswissenschaftler und Präsident der Freien Universität: „Die Äußerungen von Scholz enthalten keine neuen Gedanken. Vielmehr werden diese von Bildungswissenschaftlern seit 20 Jahren immer wieder vorgetragen. Der Altersaufbau der deutschen Bevölkerung ist dramatisch alterslastig. Also muss es eine Bildungsoffensive geben. Jüngere müssen besser ausgebildet, Ältere weitergebildet werden. Alle Bürger werden sich an den Kosten beteiligen müssen. Gleichzeitig müssen die Kostenträger im Bildungswesen überprüft werden. Das bedeutet eine Anpassung der Vergütung für das Personal auf das internationale Niveau, denn leider ist die Annahme falsch, dass die beste Bezahlung im Bildungsbereich auch die besten Leistungen hervorgebracht hätte. Leistungsträger müssen allerdings die Chance haben, mehr zu verdienen als es jetzt der Fall ist.“

Karin Wolff, Hessische Kultusministerin (CDU) und Vorsitzende der KMK: „Bildung ist die wichtigste Ressource in unserem Land. Deshalb haben die Kultusminister längst ihre Bildungsoffensive gestartet. Das A und O dabei ist guter Unterricht. Mit hoher Qualität sichern wir die Ausbildungsfähigkeit der Jugendlichen. Mehr Geld allein wird weder unsere Ergebnisse bei Bildungsstudien verbessern, noch das Rentenproblem lösen. Wer das Rentenniveau dauerhaft sichern will, muss zuallererst die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern. Deutschland braucht wieder eine solide Finanz- und Wirtschaftspolitik. Zum Thema Bildungsausgaben nur so viel: Während Hessen seit 1999 den Bildungshaushalt um 30 Prozent gesteigert hat, kürzt der Bund seine Ausgaben in diesem Jahr um 155 Millionen Euro.“ Fotos: ddp (3), Mike Wolff, Thilo Rückeis, dpa

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