Gesundheit : Geliebte Madonnen

Dem Berliner Kunsthistoriker Robert Suckale zum 60. Geburtstag

Michael Zajonz

Wer je das Glück hatte, Robert Suckale bei einer seiner improvisierten Werkanalysen zu lauschen, der begreift, dass neben Sachkenntnis und Objektnähe auch in der Kunstwissenschaft vor allem eines zählt: Leidenschaft. Die bewies Suckale nicht nur vor Spitzenwerken wie der Pariser Sainte-Chapelle oder der Bamberger Domskulptur. 1980 an die neu gegründete Universität Bamberg berufen, baute er neben seinem Lehrstuhl den – inzwischen vielfach kopierten – Aufbaustudiengang Denkmalpflege mit auf.

Suckale gehört zu den bedeutendsten Mediävisten unter den Kunsthistorikern. Bereits seine Promotion über Madonnenstatuen des 13. Jahrhunderts in der Ile-de- France schlug 1970 das Generalthema französischer Hochgotik an. Dem folgte 1985 das Standardwerk „Die gotische Architektur in Frankreich 1130-1270“ (mit Dieter Kimpel).

Daneben brilliert Suckale stets in Aufsätzen, etwa über „Peter Parler und das Problem der Stillagen“ (1979), die grundlegende, weil methodisch übergreifende Fragen stellen; etwa nach den Auftraggebern und Publikumsinteressen oder nach den technologischen Voraussetzungen eines Kunstwerks. Hier zu Lande noch immer keine Selbstverständlichkeit: Suckale bekannte sich früh zu den mittelosteuropäischen Kunstlandschaften in Böhmen, Ungarn oder Polen.

Der Mittelalter-Spezialist, der seit 1990 an der Technischen Universität Berlin lehrt, verblüfft mit stupenden historischen Kenntnissen und einem gattungsübergreifenden Interesse bis hin zur Malerei oder Kunsttheorie des 19. Jahrhunderts. Da lag eine deutsche Kunstgeschichte „Von Karl dem Großen bis heute“ (1998) nahe. Ihre Darstellung kommt ohne jedes verschmockte Pathos aus, an der Sprachkraft eines Wilhelm Pinder misst sie sich aber allemal. Robert Suckale feiert heute seinen 60. Geburtstag. Michael Zajonz

Die TU ehrt Suckale am Sonnabend mit einem internationalen Kolloquium (Straße des 17. Juni 150/152, Hörsaal A 151, ab 10 Uhr).

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