Gemeindeschwester : Unterstützung für den Landarzt

Gemeindeschwester „agnes zwei“ – die Fachkräfte sind mehr als nur Fallmanager.

Lutz O. Freiberg
„Schwester Agnes“ als Vorbild. Hier die Darstellerin Agnes Kraus aus dem damaligen DDR-Fernsehfilm.
„Schwester Agnes“ als Vorbild. Hier die Darstellerin Agnes Kraus aus dem damaligen DDR-Fernsehfilm.Foto: Ullstein

Mitte der 1970er war sie ein Riesenerfolg in der DDR, und die älteren Berliner und Brandenburger wissen sofort, wer gemeint ist, wenn von der Gemeindeschwester Agnes die Rede ist. In der gleichnamigen DEFA-Fernsehserie engagierte sich „Schwester Agnes“ mit viel Herz und Berliner Schnauze für ihre Patienten.

Eine gute Seele wie die Schwester Agnes reicht jedoch heute in Brandenburg nicht aus, um die märkischen Ärzte wirkungsvoll zu entlasten und gleichzeitig die Patienten bedarfsgerecht zu betreuen. Denn Brandenburg ist seit jeher mit dem Problem der wenigsten Ärzte für besonders behandlungsintensive Patienten konfrontiert. Daher benötigen die Ärzte hier eine qualitativ hochwertige Unterstützung, die sie in all dem entlastet, für das kein Medizinstudium notwendig, aber dennoch unverzichtbar für die Lösung der komplexen Patientenprobleme ist.

Die KV Brandenburg hat daher vor rund fünf Jahren das Konzept der Fallmanagerin „agnes zwei“ entwickelt. 2010 gründeten die KV und die AOK Brandenburg, die heutige AOK Nordost, die Arbeitsgemeinschaft „Innovative Gesundheitsversorgung in Brandenburg“ (IGiB) der auch die BARMER GEK kurz darauf beitrat. Seitdem arbeiten wir gemeinsam erfolgreich an der flächendeckenden Verfügbarkeit dieses Konzepts. Das ist einmalig in Deutschland.

Mittlerweile bemühen sich 90 „agnes zwei“-Fachkräfte in enger Abstimmung mit dem Arzt um das Fallmanagement von besonders betreuungsintensiven, chronisch kranken und älteren Patienten. Sie koordinieren zum Beispiel Behandlungstermine und die ambulante Versorgung nach Krankenhausaufenthalt, koordinieren den Pflegedienst und kümmern sich zum Beispiel auch um Reha-Anträge. Gleichzeitig knüpfen sie ein soziales Netz um die Patienten, so dass diese weitestgehend selbstständig in der eigenen Häuslichkeit verbleiben können. Sie schauen bei den Patienten zu Hause nach dem Rechten, messen Blutdruck und nehmen Blut ab, so dass die Menschen dafür nicht extra in die Praxis müssen.

Dass die „agnes zwei“ ein echtes Brandenburger Erfolgsmodell ist, zeigt nicht nur das große Interesse der märkischen Ärzte an den speziell qualifizierten Fachkräften. Auch die neue Landesregierung will die landesweite Einführung dieser Arzt-Unterstützung.

Daneben erreichen uns viele Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet. Ich bin daher zuversichtlich, dass unser Modell bald auch bundesweit die Anerkennung findet, die es verdient.
Der Autor ist Geschäftsführer der IGiB (Innovative Gesundheitsversorgung in Brandenburg)

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