Gesundheit : Genetiker entziffern Akne-Erreger

Bas Kast

Für so manchen Jugendlichen würde ein Traum in Erfüllung gehen: Wenn es doch endlich ein wirksames Mittel gegen Akne gäbe!

Noch ist es nicht so weit, aber deutsche Forscher sind dem Traum nun vielleicht einen kleinen Schritt näher gekommen: Sie haben das Erbgut des Akne-Bakteriums entziffert, und zwar komplett. Es besteht aus insgesamt 2333 Genen – Erbanlagen, die es dem Erreger ermöglichen, es sich auf unserer Haut gemütlich zu machen.

Die Genanalyse gebe Aufschluss darüber, wie das Bakterium Akne „so richtig aufblühen lasse“, sagt Studienleiter Holger Brüggemann von der Universität Göttingen. Die Untersuchung ist in der heutigen Ausgabe des US-Fachmagazins „Science“ veröffentlicht.

Akne beginnt aber nicht mit dem Bakterium. Am Anfang stehen Hormone, insbesondere das männliche Sexualhormon Testosteron. Deshalb leiden wir vor allem während der Pubertät unter der Pickel-Pein: Die Hormone kurbeln die Produktion von Talg an, einem gelblichen, fettigen Stoff. Talg ist dazu da, die Haut geschmeidig zu halten. Das Problem: Wenn die Haut – erblich bedingt – zu Verhornung neigt, können sich einige der Millionen Talgdrüsen in der Haut leicht verstopfen: ein Mitesser entsteht. Entzündet er sich, wird er zum Pickel.

An dieser Stelle scheiden sich die Geister. Die einen sagen: Die Fette selbst reichen vollkommen aus, damit es zur Entzündung kommt. „Das Bakterium wäre dann nur ein Zaungast“, sagt der Dermatologe Ralf Husak von der Berliner Charité. Die anderen sagen: Die Bakterien ernähren sich nicht nur vom Talg und sind ansonsten harmlos, sondern tragen auch ihr Scherflein zur Entzündung bei. Und tatsächlich haben die Göttinger Forscher dafür nun Anhaltspunkte gefunden. So fanden sie bei ihrer Erbgutanalyse des „Propionibacterium acnes“ unter anderem Gene für giftige Reizstoffe, die Entzündungsprozesse bei Akne auslösen. So erscheint es sinnvoll, in der Behandlung nicht nur auf anti-entzündliche Mittel zu setzen, sondern auch auf Antibiotika, die Bakterien töten.

Die Entschlüsselung des Akne-Bakteriums könnte der Medizin neue Angriffsziele für eine Therapie bieten – vielleicht sogar zu einer Impfung führen, wie Studienleiter Holger Brüggemann gegenüber dem Tagesspiegel sagte. „Das wäre natürlich sehr zu begrüßen, unmittelbar aber ergeben sich aus dieser Grundlagenforschung noch keine neuen Medikamente“, sagt der Dermatologe Husak. Es gibt jedoch bereits einige Möglichkeiten, Akne zu bekämpfen – dazu gehören Anti-Hormone sowie Vitamin-A-Präparate. Auf jeden Fall rät der Experte Husak dazu, einen Hautarzt aufzusuchen. Gute Nachricht: Dass Schokolade oder Chips die Bildung von Akne fördern, konnte in keiner Studie nachgewiesen werden.

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