Gesundheit : Genetisch bedingte Seitensprünge Warum sich manche Vögel einen „außerehelichen“ Partner suchen

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Vögel begrenzen die ungünsten Folgen von Inzucht auf ihre Weise. Vögel, die mit ihrem Lebenspartner eng verwandt sind, gehen häufiger fremd als solche aus genetisch sehr unterschiedlichen Partnerschaften. Indem sie „außerehelichen“ Nachwuchs mit einem weniger nah verwandten Partner zeugen, gleichen die Vögel schädliche Wirkungen von Inzucht aus. Sie erhöhen so die Überlebensfähigkeit der gesamten Art, berichtet ein Team internationaler Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts „Nature“ (Band 419, Seite 613).

Bart Kempenaers vom Forschungszentrum für Ornithologie der Max-Planck-Gesellschaft im bayrischen Starnberg und seine Mitarbeiter untersuchten die Untreue-Rate dreier eigentlich monogam lebender Küstenvogel-Arten. Dazu verglichen sie das Erbgut verschiedener Elternpaare mit dem ihres Nachwuchses. Je enger die Eltern genetisch verwandt waren, desto häufiger fand sich in den Brutgelegen ein Küken, das mit einem anderen Partner gezeugt wurde.

Den Studien der Forscher zufolge trägt dieses Verhalten zur Arterhaltung bei. Denn enge Verwandte tragen häufig dieselben Versionen ihrer Gene. Paaren sich zwei Eltern, die beide eine nachteilige Variante eines Genes tragen, wird diese Eigenschaft mit großer Wahrscheinlichkeit an die Nachkommen weitergegeben. Bei weniger engen Verwandten werden „schlechte“ Genvarianten meist von den Erbanlagen des Partners ausgeglichen.

Extreme Inzucht wird bei Vögeln allerdings meist vermieden. Sehr eng verwandte Partner paaren sich nur, wenn keine Alternative in Sicht ist. Bei vielen Küstenvogelarten kommt dies häufiger vor, da die Tiere in festen Kolonien leben. Bislang wissen die Forscher aber noch nicht, wie Vögel erkennen, ob ihr Partner mit ihnen verwandt ist oder nicht. Dass sie dies ähnlich wie Nagetiere über ihren Geruchssinn erfahren, scheint unwahrscheinlich, da dieser bei Vögeln meist schlecht entwickelt ist. Vögel seien eben schlauer und lernfähiger als bisher gedacht, meint Arie van Noordwijk vom Niederländischen Institut für Ökologie. dpa

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