Gesundheit : Genforschung: Friede, Freude, Genkuchen

Adelheid Müller-Lissner

Eine Parteiveranstaltung, die in einem Universitätsklinikum stattfindet und mit Burghardt Wittig einem Hochschullehrer und Vorstandsvorsitzendem einer Biotechnologie-Firma Gelegenheit gibt, mit Hilfe von Kreide und Wandtafel zu erklären, worauf Gentechnik abzielt, ist an sich schon ungewöhnlich. Zudem war es ausgerechnet die FDP, die in Sachen Gentechnik als einzige Partei eine einheitliche Linie vertritt, die das Thema des Abends in eine Entscheidungsfrage kleidete: "Gentechnik - Was zählt: Arbeitsplätze oder ethische Grundsätze?"

Zum Thema Online Spezial: Die Debatte um die Gentechnik Noch erstaunlicher allerdings der Verlauf des Abends. Während an der Wandtafel die Begriffe "somatische Therapie" und "Produktion von Pharmaka" an die Hoffnungen erinnerten, die sich mit dem Einschleusen von gesunden Genen in den kranken Körper und der Entwicklung maßgeschneiderter Medikamente verbinden, diskutierte man ausgerechnet über den Punkt, den Wittig auf der Wandtafel vergessen hatte, am ausführlichsten: Man sprach nicht über Heilungschancen, sondern über Gendiagnostik. Und war sich dabei auf dem Podium bemerkenswert einig: Etwa darüber, dass die Antithese zwischen Arbeitsplätzen und Ethik so nicht bestehe, wie Schmidt-Jortzig gleich eingangs betonte, aber auch in der Forderung nach einer Versachlichung der Debatte, "so dass wir endlich über den Stil in den Feuilletons hinauskommen", wie es Barbara Hepp, Studienleiterin der Evangelischen Akademie, formulierte.

Doch auch über die Inhalte selbst gab eskeinen Streit: Dass Schmidt-Jortzig auf den "krassen Wertungswiderspruch" zwischen dem Schutz des Embryos in vitro und dem geringeren Schutz des Ungeborenen im Mutterleib hinwies und für eine Zulassung der Präimplantationsdiagnostik plädierte, war zu erwarten. "Das Recht ist hier hässlichst überfordert, Dinge, die sich in der Praxis längst angebahnt haben, verbieten zu wollen." Dass allerdings auch die Theologin Hepp mit Blick auf die Abtreibungspraxis zu bedenken gab, es könne "ethisch eventuell geboten sein, im frühen Stadium das einzuleiten, was später ohnehin passieren würde", war weit weniger vorherzusehen.

Kein Wunder, dass Widerspruch sich im Publikum regte. Dass er aber ausgerechnet von Mitgliedern der einladenden Partei kam, die in der Gentechnologie-Debatte des Bundestages gerade durch Einmütigkeit in der Befürwortung der Zulassung von PID und Stammzellforschung hervorgetreten war, erstaunte. Sie seien "überrascht von der Entwicklung in der eigenen Partei, überrascht aber auch von der Haltung der evangelischen Kirche", meldeten sich mit deutlich kritischem Unterton zwei Damen aus der FDP zu Wort. Hepp entgegnete, dass die evangelische Kirche kein Lehramt kennt und verschiedenen Positionen Raum bietet. Wo eine Vertreterin der Kirche Ethik so ergebnisoffen als "Werkzeug der Sensibilisierung für verschiedene Seiten einer Sache" definiert, ein liberaler Politiker andererseits einen "guten, lückenlosen und stimmigen Gesetzes-Teppich" fordert, der Biopatente und Rechte der Versicherungen reguliert, in einem solchen Kontext wirkt auch ein Moderator überzeugend, der abschließend feststellt: "Keines der Horrorszenarien, die in Zusammenhang mit dem wissenschaftlichen Fortschritt bisher aufgestellt wurden, wurde Wirklichkeit."

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