Gesundheit : Gentechnik: Die Methoden der Reagenzglas-Befruchtung

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Ohne die Befruchtung im Reagenzglas (In-vitro-Fertilisation, IVF), nach der erstmals im Jahr 1978 vorher unfruchtbare Eltern ein Kind bekamen, ist kein genetischer Test eines frühen Embryos, also vor seiner Einnistung in die Gebärmutter, möglich. Auch Paare ohne Fruchtbarkeitsprobleme müssen auf eine Zeugung im Labor zurückgreifen, wenn sie wegen vorliegender erblicher Erkrankungen eine PID wünschen. Die "Baby-take-home"-Rate nach einer einzelnen IVF-Behandlung liegt heute bei 18 Prozent. Weltweit wurden schon mehrere 100 000 Kinder durch IVF gezeugt.

Die erste Etappe einer Befruchtung im Reagenzglas bildet die hormonelle Überstimulation der Frau mit Medikamenten, durch die mehrere Eisprünge gleichzeitig ausgelöst werden. Die reifen Eizellen werden durch gezielte Einstiche aus dem Eierstock entnommen und mit dem Sperma versetzt, das der Vater in spe in eigens dafür eingerichteten Räumen der Praxis oder Klinik des Fortpflanzungsmediziners gewinnen muss. Liegt im Fall der Unfruchtbarkeit die Ursache beim Mann, so wendet man "Icsi" an, die intrazytoplasmatische Spermieninjektion. Dabei werden Samenzellen in das Ei gespritzt. Sie können sogar direkt aus dem Hoden gewonnen werden.

Der nach einer IVF entstandene Embryo bleibt drei Tage in einem Kulturmedium, ehe ihm eine oder zwei Blastomeren, durch Furchung entstandene Zellen, entnommen werden. In dieser Entwicklungsphase nach dem 8-Zell-Stadium sind die einzelnen Zellen nicht mehr in der Lage, sich allein zum Embryo zu entwickeln. Durch die Diagnostik wird also kein potenzieller Embryo zerstört.

Die molekulargenetische Untersuchung geschieht entweder mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR), bei der DNS-Abschnitte kopiert werden, oder mit der Fish-Methode (Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung), für die markierte DNS-Proben puzzleartig mit DNS des Embryos zusammengesetzt werden. Das Ergebnis der Tests liegt nach drei bis acht Stunden vor.

Eine Alternative zur PID, die mit dem Embryonenschutzgesetz nicht in Konflikt gerät, ist die Präfertilisationsdiagnostik. Die molekulargenetische Untersuchung von Polkörperchen der Eizelle kurz vor dem Eindringen der Samenzelle ist jedoch ungenauer. Aussagekräftiger wird sie, wenn der Test unmittelbar vor der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle stattfindet. In beiden Fällen kann aber nur das mütterliche Erbgut beurteilt werden.

In Deutschland dürfen bei einer IVF prinzipiell nur so viele Embryonen geschaffen werden, wie danach sofort eingepflanzt werden sollen. Wegen drohender Mehrlingsschwangerschaften ist man dabei von drei schon auf zwei befruchtete Eizellen heruntergegangen. Für eine PID würden jedoch mehr befruchtete Eizellen gebraucht.

Ausnahmsweise werden in Deutschland befruchtete Eizellen eingefroren, und zwar kurz vor Verschmelzen der beiden Zellkerne. Damit die Wände der Zellen dabei keinen Schaden nehmen, muss das unter kontrollierten Bedingungen und unter Zugabe von Frostschutzmittel geschehen. Ob so aufbewahrte befruchtete Eizellen, die für ein Einpflanzen nicht mehr vorgesehen, also "überzählig" sind, für die Forschung mit embryonalen Stammzellen verwendet werden dürfen, ist strittig.

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