Gesundheit : Gentechnik: Die neue Dolly heißt Diana

Hartmut Wewetzer

Mit einem neuartigen Verfahren ist es den Schöpfern des Klonschafs "Dolly" gelungen, Schafe erstmals gezielt genetisch zu verändern. Den Forschern gelang es, in fetalen Bindegewebszellen ein Erbmerkmal durch eine veränderte Variante zu ersetzen. Danach wurden mit Hilfe des "Dolly"-Klonverfahrens insgesamt drei Schafe mit gezielter genetischer Veränderung produziert. Die Tiere sollen als potenzielle "Arzneifabriken" Milch mit menschlichen Proteinen liefern.

"Das ist ganz sicher der Anbruch einer neuen Ära der Säugetier-Gentechnik", kommentierten die amerikanischen Molekularbiologen Milind Suraokar und Allan Bradley vom Baylor College of Medicine (Houston) in der Zeitschrift "Nature". In dem Magazin wird die Studie der "Dolly"-Schöpfer von der Biotechnik-Firma PPL Therapeutics an diesem Donnerstag veröffentlicht. Bisher war es lediglich möglich gewesen, Erbgut von Säugetieren ungezielt zu verändern. Einzige Ausnahme waren Mäuse, bei denen zur Erforschung von Krankheiten einzelne Gene "ausgeschaltet" werden können.

Die schottischen Forscher kombinierten das bei den Mäusen erprobte Verfahren zur gezielten Ausschaltung von Genen mit dem Klonen. Es gelang ihnen auf diese Weise, aus insgesamt 417 Embryonen drei überlebensfähige Lämmer zu erzeugen, von denen eines den Namen "Cupido", ein weiteres den Namen "Diana" trägt. Einem der Schafe wurde das Erbmerkmal für ein menschliches Protein namens alpha-1-Antitrypsin eingepflanzt. Dieses für die Behandlung eines schweren angeborenen Lungenleidens wichtige Eiweiß war danach in der Milch der Tiere nachweisbar.

Die Wissenschaftler hoffen, dass sie die Ausbeute an medizinisch nutzbaren Proteinen aus der Milch gentechnisch veränderter Nutztiere ("Pharming") mit dem neuen Verfahren erhöhen können. Auch für die Xenotransplantation, also die Nutzung von Tieren als Organspender, könnte die Methode nützlich sein. Gezielte genetische Eingriffe könnten zum Beispiel die Abstossungsreaktion des Empfängers auf das tierische Spenderorgan abschwächen.

Bislang gelten Tierorgane, etwa Herz oder Niere, noch als zu fremdartig. Aber PPL Therapeutics hat schon angekündigt, sich mit der Xenotransplantation zu beschäftigen. Bereits im März hat das Unternehmen mitgeteilt, dass es auch Schweine geklont hat. Damit hat der Klon-Zoo aus Schafen, Ziegen, Kühen und Mäusen weiteren Zuwachs bekommen.

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