Gesundheit : Gentechnik: Doppelt tolerante "Gen-Rüben"

Adelheid Müller-Lissner

Eine unbeabsichtigte Resistenz gegen das Unkrautvernichtungsmittel "RoundupReady" der Firma Monsanto hatten Zuckerrüben, die aus gentechnisch verändertem Saatgut stammen, bei einem Freilandversuch in Deutschland und mehreren anderen europäischen Ländern auf insgesamt 40 Versuchsflächen. Das Saatgut der Firma KWS Saat-AG, das an die Firma Aventis zu Forschungszwecken weitergegeben wurde, wurde gezielt eigentlich nur mit einem Gen bestückt, das die Rüben gegen das Herbizid "Liberty" resistent machen soll.

Wie der Pressesprecher Gert Hahne sagte, sind zwar Zeitpunkt und Ort der Übertragung bekannt, doch weiß man nichts über den Weg, den die Pollen dafür nahmen und von welchen Pflanzen sie stammen. "Vielleicht sind sie in den Haaren eines Forschers mitgekommen." Die gentechnisch veränderten Pflanzen werden von der Einbecker Saatgutfirma in Gewächshäusern gezüchtet. Die KWS hatte die Doppeltoleranz, die erst im Zuge der vorgeschriebenen Beseitigung der Versuchspflanzen bei Versuchsende festgestellt wurde, von sich aus bekanntgegeben.

Das Versuchssaatgut war nicht für den Handel bestimmt, sondern sollte wissenschaftliche Erkenntnisse über gentechnisch veränderte Pflanzen liefern. Rein biologisch sei zudem keine Weiterverbreitung der doppelten Herbizidtoleranz möglich, da die zweijährigen Pflanzen sich nicht in der fortpflanzungsfähigen Blütephase befanden.

Nutzung im Doppelpack

Wie schon sein Name es nahelegt, wirkt das seit 1974 auf dem Markt befindliche Herbizid "RoundupReady" universell und ohne Ansehen der einzelnen Pflanze, deren grüne Bestandteile es angreift. Breitband-Herbizide dieser Art sind einfach einzusetzen und gelten als relativ umweltfreundlich. Doch erst die genetische Veränderung von Nutzpflanzen macht ihren Einsatz möglich: Während die Nutzpflanze dann dank der Übertragung eines Toleranzgens weiter wachsen kann, werden unerwünschte Wildpflanzen ("Unkraut"), die der Sojabohne, dem Mais oder der Zuckerrübe Nährstoffe und Platz rauben könnten, unterdrückt.

Für die Genehmigung von Freilandversuchen ist das in Berlin ansässige Robert-Koch-Institut (RKI) zuständig, die Überwachung der Versuche ist jedoch Ländersache. Kritiker fürchten, die gentechnischen Veränderungen könnten sich durch die Freilandversuche auch auf Wildpflanzen übertragen.

Das allerdings könnte, wie Ulrich Ehlers vom Zentrum Gentechnologie des RKI zu bedenken gibt, eher zum Problem für die Hersteller der Unkrautvernichtungsmittel werden, deren Produkte dadurch ihre universelle Wirksamkeit einbüßen würden. Für Ehlers ist der jetzige Fall zudem grundsätzlich anders zu bewerten als die Verunreinigung von Saatgut im Frühjahr dieses Jahres, bei der es um Raps ging, der landwirtschaftlich angebaut wurde.

Im Gesetz zur Regelung der Gentechnik (Gentechnik-Gesetz) aus dem Jahr 1993 werden keine Grenzwerte für Verunreinigungen mit anderem Erbgut genannt. Bisher orientieren sich die Firmen an der Grenze von einem Prozent, die die europäische Novel-food-Verordnung vorgibt. "Eine Fremdeinstäubung kann niemals hundertprozentig ausgeschlossen werden" betont Hahne, dessen Firma von der Politik klare Grenzwerte für zulässige Verunreinigungen einfordert. Der Anteil der Pflanzen, die beide Toleranzgene tragen, habe nur bei einem halben Prozent gelegen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben