Gesundheit : Gentechnik: Gepökelte Tomate

Paul Janositz

Salz entwässert und konserviert. Als effektives Mittel, Nahrung haltbar zu machen, ist das Mineral massenhaft gefragt, doch im Boden sollte es nicht überhand nehmen. Denn Gemüsepflänzchen vertragen versalztes Milieu nicht. Salz in hoher Konzentration zieht nämlich das Wasser aus den Wurzeln, die Pflanzen trocknen aus und gehen ein.

Die Gentechnik könnte jetzt eine Lösung bieten. Bereits mehr als einen Lichtblick meldet der Forscher Eduardo Blumwald von der Universität von Kalifornien in Davis im heute erscheinenden Fachjournal "Nature Biotechnology". Gemeinsam mit seinem Kollegen Hong-Xia Zhang von der Universität von Toronto ist es ihm gelungen, Tomaten ein salzfreudiges Gen einzupflanzen. Das nützliche "Transport-Gen" stammt von Arabidopsis, einer gerne für gentechnische Versuche verwendeten Pflanze. Dabei handelt es sich um ein Protein, das Salz innerhalb der Zelle in bestimmte Bereiche, die Vakuolen, transportiert. Dort sitzt das Salz wie hinter Gittern, es kann die anderen Zellfunktionen nicht mehr stören. "Das Salz bleibt in den Blättern, daher schmeckt die Tomate nicht salzig", sagte Andy Fell, Sprecher der kalifornischen Universität, dem Tagesspiegel. Über die gesundheitliche Unbedenklichkeit werde die Aufsichtbehörde FDA bei Bedarf entscheiden.

Zum Thema Online Spezial: Die Debatte um die Gentechnik Die gentechnisch veränderte Pflanze wuchs sogar in Böden, deren Salzgehalt bis zu 50mal höher war, als es normalerweise der Fall ist. Wenn Freilandversuche erfolgreich verlaufen, könnten, prognostiziert Blumwald, in etwa drei Jahren die ersten Salz liebenden Tomatenpflanzen auf dem Markt sein. Das ist besonders für regenarme Gegenden wichtig, in denen viel gewässert werden muss. Denn das verwendete Wasser enthält möglicherweise zu viel Natrium-, Kalzium- oder Magnesiumsalze, die sich im Laufe der Zeit im Boden ansammeln. Die Pflanzen verkümmern, der Ertrag geht zurück.

Laut amerikanischem Landwirtschaftsministerium gehen auf diese Weise weltweit jährlich etwa zehn Millionen Hektar fruchtbaren Bodens verloren, das ist etwa ein Fünftel der Fläche Kaliforniens. Versuche, Gemüse zu züchten, das auf Salzböden gedeiht, schlugen bisher fehl.

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