Gesundheit : Gentechnik: Mit Haut und Haaren

Dagmar Dehmer

Eine französisch-japanische Forschergruppe hat erstmals Stammzellen isoliert, mit denen sich Haut reproduzieren lässt. Das berichtet die US-Fachzeitschrift "Cell" in ihrer neuen Ausgabe. Dem Team um den Pariser Wissenschaftler Yann Barrandon sei es bei Experimenten mit Mäusen gelungen, diese Zellen zu identifizieren. Bei den Versuchen sei erstmals aus rund 500 Stammzellen im Reagenzglas ein Stück Haut mit Haaren und Talgdrüsen erzeugt worden. Die Forschungsergebnisse eröffneten neue Perspektiven für die Behandlung von Brandopfern.

Bereits vor zwei Jahren hat das Freiburger Unternehmen Bio Tissue AG ein Verfahren auf den Markt gebracht, mit dem Brandwunden sowie offene Wunden behandelt werden können. Im Gegensatz zu den französischen Forschern verwenden die Wissenschaftler bei Bio Tissue "erwachsene Zellen" vom betroffenen Patienten. Mit einem kleinen Hautstück lassen sich die Zellen vermehren. Dann werden sie mit einer Trägersubstanz auf betroffene Körperpartien aufgebracht. Die Haut wächst nach, nicht jedoch Haare und Talgdrüsen. Das seit Sommer 2000 am Neuen Markt notierte Unternehmen plant für dieses Jahr mit 30 Beschäftigten einen Umsatz von 3,3 Millionen Mark. Die Freiburger wollen 2003 die Gewinnschwelle erreichen.

Der Vorteil körpereigener Zellen ist nach Auskunft des Bio-Tissue-Sprechers Volker Siegert, dass es keine Abstoßungsreaktionen des Körpers gebe. Zudem entfielen "die mit Stammzellen verbundenen ethischen Fragen", sagt er. Stammzellen werden aus Embryonen, in den USA auch aus der Vorhaut von Babys gewonnen. Die Pariser Forschergruppe dagegen hat ein neues Verfahren gefunden. Sie isoliert die benötigten "erwachsenen Stammzellen" aus dem oberen Bereich eines Haarbalgs. Stammzellen gelten als viel versprechendes Forschungsfeld der Biomedizin.

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