Gesundheit : Gentechnik: Studie: Manipulierte Pflanzen breiteten sich nicht aus

Bas Kast

Die grüne Gentechnik spaltet die Menschen. Auf der einen Seite befinden sich die Gen-Apologeten, Vorstände von Agrarkonzernen etwa, deren Herz höher schlägt bei dem Gedanken an die "Supertomate"; praktischerweise stellt oft derselbe Konzern auch gleich die Pestizide her, gegen welche die Pflanze unempfindlich gemacht werden soll. Auf der anderen Seite treten die Gen-Apokalyptiker in Erscheinung, die eindringlich vor den Risiken warnen, in die Natur einzugreifen. Die ökologischen und gesundheitlichen Konsequenzen eines möglichen "Superunkrauts" seien nicht zu kontrollieren - Finger weg also von gefährlichem "Genfood"!

Womöglich stimmen beide Parteien zu schrille Töne an. Die Resultate der grünen Gentechnik, also der Optimierung von Pflanzen durch technische Eingriffe in ihr Genom, sind oft nüchterner als die Vorstellungen so mancher Apokalyptiker wie Apologeten. Zu diesem Schluss kommt auch eine neue Studie im britischen Fachmagazin "Nature" um den Biologen Michael Crawley vom Imperial College in London - auch wenn die Untersuchung mögliche Gefahren der grünen Gentechnik durchaus nicht ganz ausräumt.

Keine "Unkrautwirkung" festgestellt

Crawley und seine Kollegen pflanzten sowohl gentechnisch veränderte als auch konventionelle Sorten im Freiland. Alle 1990 vorhandenen gentechnisch modifizierten Pflanzen wurden getestet. Das waren: Öl-raps, Mais, Zuckerrübe und Kartoffeln. Das Ziel der Forscher war bescheiden. Sie wollten eine der Befürchtungen der Genkritiker aufgreifen und prüfen, ob es stimmt, dass gentechnisch veränderte Pflanzen die Umwelt "verseuchen" können, in dem sie wie Unkraut die natürlichen Sorten verdrängen.

Zehn Jahre lang beobachteten die Wissenschaftler das Schicksal ihrer Pflanzen auf zwölf verschiedenen Freilandarealen. Das Resultat: In keinem Fall übernahmen die gentechnisch veränderten Sorten den Lebensraum der natürlichen. Im Gegenteil, alle neu gepflanzten Sorten - sowohl die gentechnisch veränderten als auch die natürlichen - waren innerhalb von vier Jahren wieder verschwunden. Die kultivierten Pflanzen hielten es in der freien Natur einfach nicht lange aus. Nur eine Sorte überlebte: die Kartoffel. Aber nicht die gentechnisch veränderte Variante, sondern die konventionelle.

"Unser Ergebnis legt nahe, dass anbaufähiges Gemüse außerhalb der Kultivierung nicht besonders gut überlebt. Das bedeutet aber nicht, dass andere genetische Veränderungen nicht zu Unkrautwucherung führen könnten." Die gentechnisch modifizierten Pflanzen waren schließlich nicht daraufhin verändert worden, generell besser im natürlichen Umfeld zu überleben. Man hatte sie - wie es bei der grünen Gentechnik üblich ist - ganz spezifisch gegen einzelne Pestizide unempfindlich gemacht. Die Kartoffeln waren derart verändert, dass sie selbst ein Insektengift produzierten.

Auch wenn die Gentechnik also weder Superkraut noch -unkraut herzustellen scheint - mögliche Gefahren bleiben. Die Studie sagt nämlich nichts aus über gesundheitliche Risiken, die mit der Veränderung von genetischem Material von Pflanzen einhergehen könnten. Dazu sind zusätzliche Untersuchungen erforderlich.

Aber selbst im Hinblick auf ökologische Risiken ist das Fazit der Londoner Forscher vorsichtig. "Wir können sagen, dass keine ökologische Gefahr von den von uns untersuchten Pflanzen ausgeht. Aber wir können nicht sagen, dass es bei anderen Veränderungen in anderen Pflanzen nicht doch ein Problem geben könnte. Ein Baum etwa, der gegen Dürre unempfindlich ist, könnte eine große Bedrohung sein in trockenen Regionen." In diesem Fall nämlich hätte der Baum einen klaren Überlebensvorteil in seiner natürlichen Umwelt - und würde die verdurstenden Konkurrenten verdrängen.

Beobachtungsprogramm geplant

Darüber hinaus prüft die Studie von Crawley nur das Schicksal von gentechnisch veränderten Pflanzen auf kleinen Flächen. "Wir wissen aber nicht ausreichend, wie sich der großflächige und langfristige Anbau auf die Umwelt auswirkt", sagt Barbara Schieferstein, Gentechnik-Expertin vom Umweltbundesamt Berlin. "Aus diesem Grund soll es in Deutschland ein Beobachtungsprogramm geben, das genau diese Langzeitwirkungen prüfen soll."

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