Gesundheit : Geologie: Wie tief sind die Anden?

tdp

Wer vor einem Berg steht, schaut notgedrungen nach oben. Dank neuer seismologischer Messmethoden können Forscher jedoch auch erkennen, was sich unter einem Gebirge tut. So ragen die Anden in Nordchile nicht nur viel höher hinauf als jedes Gebirge in Europa. Auch die Erdkruste ist dort doppelt so mächtig wie in unseren Breiten. Die Gesteinstypen der Erdkruste lassen sich noch bis in 120 Kilometer Tiefe nachweisen, wie Rainer Kind vom Geoforschungszentrum Potsdam und seine Kollegen festgestellt haben.

Dabei kann die Dicke der Erdkruste von Ort zu Ort stark variieren. Mehr als 70 Kilometer reichen die Anden zum Beispiel unter dem 4000 Meter hohen Altiplano in die Tiefe. Ein wenig weiter südlich des Altiplano liegt, ebenfalls in rund 4000 Metern Höhe, die Puna-Hochebene. Dort ist die Erdkruste nur 50 Kilometer dick - eine drastische Veränderung auf kurzer Distanz.

Rainer Kind erläutert diesen Befund anhand der Bewegung der Erdplatten: "Die Ursachen für die Krustenverdickung liegen einerseits darin, dass von Osten her die brasilianische Erdkruste unter die Anden geschoben wird." Das sei der für das Altiplano im Osten bestimmende Prozess.

Zudem schiebt sich jedoch von Westen her kommend die ozeanische Platte (Nazca-Platte) pro Jahr bis zu zehn Zentimeter vor und kollidiert mit dem südamerkanischen Kontinent. Während sie abtaucht, schmilzt Gestein in der Tiefe. "Dieses dringt als Magma von unten her in das Krustengestein ein und verdickt dadurch die Kruste." Zu sehen ist dies vor allem im Westen der zentralen Anden.

Die Einsichten in den Untergrund des Hochgebirges beruhen auf einem neuen Messverfahren, das Potsdamer Geowissenschaftler mit entwickelt haben. Sie registrieren dabei die Laufzeit natürlicher Erdbebenwellen und der ihnen nachfolgenden, sekundären seismischen Wellen. So können sie auf die Krustenstruktur schließen und sehr viel tiefer in das Gestein eindringen, als es heute mit Hilfe künstlicher Explosionen möglich ist.

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