Gesundheit : Geowissenschaften: Das "System Erde" fest im Visier

Paul Janositz

Mit der "Science-Street", die im Europa-Center aufgebaut wurde, sollen die Geowissenschaften auch für diejenigen anschaulich werden, die sonst mit dieser akademischen Sparte wenig zu tun haben. Das "Jahr der Geowissenschaften" hat damit bereits konkret begonnen, bevor Forschungsministerin Edelgard Bulmahn den offiziellen Start heute abend in der Wissenschaftsshow "Science Café" in der Berliner Urania verkündet.

Die Urania ist bis zum Sonntag auch der Ort für viele Vorträge und Podiumsdiskussionen, die - wie auch die Exkursionen - unter dem Motto "System Erde" stehen. Diese Devise soll deutlich machen, dass die Geowissenschaften heute mehr sind als wissenschaftliches Kratzen an der Erdkruste. Die äußere Schicht, die uns so vertraut ist, ist im Vergleich mit dem Erddurchmesser sehr dünn.

Dennoch haben Menschen die Kruste bisher nicht durchdringen können. Die tiefsten Bohrungen stießen bis auf etwa 12 000 Meter vor. Das kontinentale Tiefbohrungsprogramm gelangte in Windischeschenbach etwas tiefer als 9000 Meter und erkundete viele physikalische und chemische Prozesse im Erdinnern.

Diese Kenntnisse können dazu beitragen, beispielsweise zu klären, warum Erdbeben entstehen, warum Vulkane ausbrechen, Berge abrutschen oder Flüsse über die Ufer treten. Genaue Vorhersagen über den Zeitpunkt der Naturkatastrophen sind bis heute nicht möglich - das Geschehen ist zu komplex.

Die Geowissenschaften haben aber nicht nur die Vorgänge unter und auf dem Erdboden im Visier. Sie richten auch den Blick nach oben in die Atmosphäre. "Wir haben eine neue Sicht des Systems Erde", sagt Rolf Emmermann, Vorstandsvorsitzender des Geoforschungszentrums Potsdam. Die Geowissenschaftler hätten gelernt, wie dynamisch unser Planet sei. Grafik: "System Erde" Deutlich wird das vor allem beim Klimawandel. Hier bringen die Potsdamer die historische Dimension dazu. Sie versuchen zu rekonstruieren, wie sich das Klima in den letzten 10 000 Jahren geändert hat. Daran kann man die aktuellen Modelle schärfen und den Anteil des Menschen an der Klimaänderung herausfiltern. Auch mit ihren Satellitenprojekten sind die Potsdamer Geowissenschaftler international führend.

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