Gesundheit : Geowissenschaften: Risiken minimieren, Katastrophen meistern

Rolf Emmermann (62) ist seit 1992 Vorstandsvorsitz

Rolf Emmermann (62) ist seit 1992 Vorstandsvorsitzender des Geoforschungszentrums Potsdam. Der Mineraloge war auch Gründungsdirektor.

Herr Professor Emmermann, was ist am Jahr der Geowissenschaften so spannend? Was ist so interessant am Löcherbohren und Steineklopfen?

Weitgehend herrscht in der Öffentlichkeit noch dieses veraltete Bild eines Geowissenschaftlers. Wir haben aber gelernt, dass wir auf einem dynamischen Planeten leben, der durch Kräfte im Innern und von Außen ständig umgeformt wird. Das ist eine völlig neue Sicht des Systems Erde.

Wie wirkt sich das aus?

Unmittelbar erleben wir den ständigen Wandel unseres Lebensraumes, z.B. durch die Änderung des Klimas. Früher wurde das Thema hauptsächlich Physikern und Metereologen überlassen. Die Geowissenschaften haben jetzt eine langfristige zeiliche Komponente dazu gebracht. Es gibt ein großes Projekt: "Klima in historischen Zeiten", das vom Geoforschungszentrum (GFZ) koordiniert wird.

Was sind die Zukunftsaufgaben?

Zunächst geht es um die Umwelt, die Klimaänderung. Dazu kommen Themen wie Meeresspiegeländerungen und die Verfügbarkeit von Ressourcen. Die Versorgung mit Trinkwasser ist ein Riesenproblem.

Ich habe mich gewundert, dass Sie bei den Aufgabengebieten nicht von Erdbeben und Vulkanen gesprochen haben.
Naturkatastrophen sind generell wichtige Themen. Aber auch schleichende Entwicklungen können uns bedrohen, wie etwa Dürre aufgrund der Klimaänderung - gerade im Raum Berlin/Brandenburg ein wichtiges Thema. Wenn die Temperatur um ein oder zwei Grad im Mittel ansteigt: wie beeinflusst das die Grundwasserversorgung, wie die Waldbrandgefahr? Was kann man tun?

Welche Rolle spielt dabei das Geoforschungszentrum Potsdam?

Wir gehören zur Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren und profilieren uns mit dem Bereich "Erde und Umwelt". Wir bauen beispielsweise mit der Universität Karlsruhe auf dem Gebiet des Katastrophenmanagements ein gemeinsames Institut auf. Dabei geht es auch um Technologien zur Risikominderung. Mit dem CHAMP-Satelliten bestimmen wir den Wasserdampfgehalt und die Temperaturverteilung in der Atmosphäre weltweit. Zunehmend wichtig ist auch die Wechselwirkung der von der Sonne ausgestoßenen Partikel mit der Erde. Auch die dramatische Abnahme des Erdmagnetfelds ist problematisch, denn der magnetische Schild schirmt von der harten kosmischen Strahlung ab

Was sind die aktuellen Konzepte der Geowissenschaften?

Wir hatten mit dem Tiefbohrprogramm KTB bis 1996 ein Großforschungsprojekt. Daraus haben wir zusammen mit internationalen Partnern ein Programm für die Durchführung von Forschungsbohrungen auf den Kontinenten (ICDP) entwickelt. In Zusammenarbeit mit der DFG haben wir ein fast 200-seitiges Konzept mit dem Namen "Geo-Technologien" entwickelt. Wir haben dort 13 große Bereiche identifiziert, die gefördert werden sollten über zehn, 15 Jahre. Dieses Programm wird inzwischen mit über 600 Millionen Mark finanziert, vom Bundesforschungsministerium und der DFG.

Sind die Geowissenschaften an den Universitäten ausreichend vertreten?

Insgesamt sind die Geowissenschaften an vielen Universitäten vertreten. Häufig sind die Institute relativ klein, deshalb konzentriert man in manchen Ländern die Einrichtungen. Das hängt auch mit den Studentenzahlen zusammen, die wie in den meisten naturwissenschaftlichen Fächern deutlich zurückgegangen sind. Durch attraktive Themen wollen wir auch junge Leute für die Geowissenschaften motivieren.

Wie sehen Sie die Berufsaussichten?

Geodäten und Geophysiker haben enorm gute Aussichten. Auch in Spezialgebieten der Geologie, der Ingenieurgeologie, Umweltgeologie, Hydrogeologie sind sie gut.

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