Gesundheit : Gestörtes Vertrauen

Präsident Peter Gaehtgens verlässt die Hochschulrektoren-Konferenz

Amory Burchard

Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Peter Gaehtgens, ist gestern zurückgetreten. „Es gibt keine Vertrauensbasis mehr im Präsidium, der erforderliche Rückhalt ist nicht mehr gegeben“, sagte Gaehtgens dem Tagesspiegel. Eine entsprechende persönliche Erklärung habe er vor dem Beginn der HRK-Plenumssitzung in Bremen abgegeben. Zu den Hintergründen des offenbaren Zerwürfnisses mit den Vizepräsidenten wollte sich Gaehtgens nicht äußern.

Aus dem HRK-Präsidium ist zu hören, dass Gaehtgens wegen „häufiger gemeinsamer Dienstreisen“ und „zu enger Zusammenarbeit“ mit HRK-Generalsekretärin Christiane Ebel-Gabriel kritisiert wurde. Beanstandet worden sei auch das „Amtsverständnis“ der Generalsekretärin, die sich als Vertreterin des Präsidenten und nicht als „Sachwalterin“ am Sitz der HRK in Bonn sehe. Peter Hommelhoff, Rektor in Heidelberg, sagt, es gehe „um das Zusammenwirken von Mitgliedern des Präsidiums und um die Akzeptanz der HRK bei Gesprächspartnern“.

Der Mediziner Gaehtgens war vier Jahre lang Präsident der Freien Universität Berlin, bevor er im August 2003 den Posten bei der HRK antrat; offiziell hätte seine Amtszeit im Sommer 2006 geendet. Schon als Unipräsident war der heute 68-jährige Gaehtgens hoch geschätzt. Nach der Wende gelang es ihm, den wissenschaftlichen Rang der FU auszubauen– und gegenüber der Humboldt-Uni zu behaupten. An der Spitze der HRK genoss Gaehtgens den Ruf als kompetenter Interessenvertreter. Das Plenum dankte ihm gestern für seine „engagierte und profilprägende Amtsführung“. Politische Hintergründe könne der Rücktritt nicht haben, sagt der TU-Präsident Kurt Kutzler „weil er seine Arbeit sehr gut gemacht hat“. Gaehtgens gehe „zu einem ungünstigen Zeitpunkt“: Die Unis müssten sich in der nächsten Zeit verstärkt „gegen die Länder durchsetzen“. FU-Präsident Dieter Lenzen bedauert, dass nun jemand fehlen werde, „der insbesondere für den Anschluss an die internationalen Spitzenuniversitäten eingetreten ist“.

Gaehtgens selber zog eine positive Bilanz. Er habe vieles erreicht: in der Exzellenzinitiative, bei der Umsetzung des Bologna-Prozesses und im Streit um mehr Autonomie für die Hochschulen. Auch auf die „chronische Unterfinanzierung“ der Hochschulen habe er mit Erfolg aufmerksam gemacht – und auf den prognostizierten „Studentenberg“. Die deutschen Hochschulen seien auf europäischer Ebene bekannter geworden, auch durch enge Kontakte zu auswärtigen Rektoren. Er bedauere, diese Arbeit nicht fortsetzen zu können und hoffe, dass sich die HRK wieder „auf ihre strategischen Aufgaben konzentrieren“ werde, sagte Gaehtgens.

Ein Nachfolger soll im Frühjahr gewählt werden; bis dahin amtiert kommissarisch der Rektor der RWTH Aachen, Burkhard Rauhut. Der Generalsekretär der Kultusministerkonferenz, Erich Thies, wünscht sich „eine stabile HRK als Gesprächspartner“.

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