Gesundheit : Gewässerforschung: Nicht jeder See wird trüb, wenn er altert

mrv

Das Wasser wird dunkler, die Sichttiefe schwindet. Während die Sauerstoffkonzentration sinkt, wachsen Nährstoffgehalt und Algen. So stellen sich Biologen den natürlichen Alterungsprozess von Seen vor. Je älter ein Gewässer ist, desto höher ist auch seine biologische Aktivität und Produktivität.

Diese gängige Lehrmeinung stellt Daniel Engstrom von der St. Croix Watershed Forschungsstation in Minnesota nun auf den Kopf. Engstrom und seine Kollgen beobachteten in Alaska 33 Seen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Wie sie in der Fachzeitschrift "Nature" (Band 408, Seite 161) berichten, nahm die Produktivität der Gewässer, über lange Zeit betrachtet, ab.

Während sich die Ökologen auf dem Trockenen mittlerweile recht gut auskennen, fischen sie in der Limnologie vielfach noch im Trüben. Wenn an Land ein neues noch unbelebtes Gebiet entsteht, beispielsweise durch einen Vulkanausbruch oder Gletscherrückzug, dann können die Fachleute recht genau vorhersagen, was für ein Ökosystem sich dort demnächst entwickelt. Wie sich dagegen Chemie und Biologie eines Sees im Laufe der Jahre verhalten, liegt meist im Reich der Spekulationen.

"Wir können in der Limnologie immer nur mit sehr schmalen Zeitfenstern arbeiten", beschreibt Roland Psenner vom Insitut für Limnologie der Universtiät Innsbruck das Problem. Nur selten bietet sich den Forschern die Möglichkeit, die Entwicklung eines soeben entstandenen Sees über viele Jahre zu verfolgen. Doch genau dies gelang den amerikanischen Limnologen an der Glacier Bay im Südosten Alaskas.

In diesem Gebiet befindet sich ein Gletscher auf dem Rückzug, dessen schwindende Eismassen gelegentlich auch einen See zurücklassen. Das Ergebnis ist eine Art Zeitreihe natürlicher Gewässer, deren Alter von zehn bis 12 000 Jahren reicht. Die Seen sind zwischen drei und 16 Hektar groß und mit maximal 18 Metern nicht besonders tief. Alle 33 Gewässer werden nicht durch oberirdische Zuflüsse gespeist.

Engstrom und seine Kollegen analysierten Wasserproben und bestimmten die Besiedlung der Gewässersedimente mit Kieselalgen. Die Messergebnisse zeigen, dass die Seen mit höherem Alter saurer werden und ihr Nährstoffgehalt abnimmt. "Das Tolle ist, dass sie das nicht nur irgendwie rekonstruiert, sondern richtig gemessen haben", sagt Psenner. "Damit haben sie quasi ein Dogma umgestoßen. Die populäre Ansicht war bisher, dass der natürliche Alterungsprozess führer oder später immer zu einer Eutrophierung führt."

Die amerikanischen Limnologen sind der Meinung, dass die unerwarteten Beobachtungen auf das sich verändernde Umland der Gewässer zurückzuführen sind. Nach dem Rückzug des Gletschers etablierte sich an Land nach und nach eine Pflanzengesellschaft. Diese habe entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung gehabt und vermutlich wie ein Nährstofffilter gewirkt.

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