Gesundheit : Gleichheit hört bei Geld auf: Die ausländischen Lehrer verdienen weniger

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Mit den ausländischen Lehrern steht und fällt das ganze Konzept der 14 staatlichen Europaschulen in Berlin, die als Vorzeigeobjekte der Stadt gelten. Darin waren sich alle Teilnehmer einer Diskussionveranstaltung im DGB-Haus in der Keithstraße einig. Doch auch acht Jahre nach Gründung der ersten Schule dieser Art werden die rund 100 ausländischen Lehrer weitaus schlechter für ihre Arbeit bezahlt als ihre deutschen Kollegen. Und sogar untereinander kann von Gleichbehandlung nicht die Rede sein. Ilse Schaad von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte deshalb Thomas Kleineidam von der SPD, Stefan Schlede von der CDU und Özcan Mutlu von den Bündnisgrünen eingeladen, um nach einer Lösung des Dauerproblems an den Europaschulen zu suchen.

"Ich bin in Frankreich seit 15 Jahren Lehrerin und dort auch verbeamtet", schilderte eine Pädagogin aus der deutsch-französichen Europaschule ihre Situation. Sogar für die Vergütung nach der Richtlinie für Lehrkräfte an staatlichen Europaschulen, die ohnehin schlechter ist als die Bezahlung deutscher Lehrer, habe sie kämpfen müssen. Auch eine italienische Lehrerin aus der Finow-Grundschule (deutsch-italienisch) verstand die Welt nicht mehr. "Mein Abschluss wurde als mit dem ersten Staatsexamen gleichwertig anerkannt. Dennoch werde ich schlechter behandelt", beklagte sie sich. Denn ein deutscher Lehrer werde nach fünf Jahren in die nächsthöhere Vergütungsklasse eingestuft. Nicht so bei ihr. "Ein klassischer Fall von Diskriminierung aufgrund der Nationalität", meinte Ilse Schaad. Abschlüsse würden entgegen europäischem Recht von der Senatsschulverwaltung nicht voll anerkannt, die Dauer der im Heimatland gesammelten Berufserfahrung wirke sich nicht auf die Bezahlung aus.

Schulsenator Klaus Böger war eingeladen, hat jedoch in letzter Minute abgesagt, so dass ein richtiger Gegner fehlte. Dennoch ging es recht hitzig zu. Es gab Beifall und auch Empörung, wenn Betroffene unter den rund 55 Lehrern und Eltern von ihrem persönlichen Fall erzählten. Einem wollte Stefan Schlede, Schulexperte der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, der mit auf dem Podium saß, auch gleich nachgehen. Ein Lehrer der John-F.-Kennedy-Schule in Zehlendorf, wo die Pädagogen aufgrund der besonderen Rechtslage alle gleich bezahlt werden, sei auf die deutsch-englische Europaschule gewechselt. Dort verdiene er nun weniger, weil ihm sein Abschluss nicht anerkannt werde. Am Ende der Veranstaltung sagten alle Politiker ihre Unterstützung zu, eine parlamentarische Initiative in Gang zu bringen.

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