Gesundheit : Globalisierung: Wie die Antike helfen kann

Elke Kimmel

„Die Antike ist tot – es lebe die Antike“, sagt der Kulturtheoretiker Hartmut Böhme bei der Eröffnung des Sonderforschungsbereichs „Transformationen der Antike“ und des August-Boeckh-Antikezentrums an der Humboldt-Universität. Untersucht wird die Rezeption der europäischen Antike in den vergangenen Jahrhunderten.

Im Laufe der Zeit habe sich nicht nur das Bild der Antike erweitert und verändert, auch die forschenden Kulturen hätten sich den jeweils aktuellen Antikevorstellungen angepasst, erklärt Böhme, der Sprecher des Sonderforschungsbereichs ist. Er verteidigt die Antikeforschung gegen Kritiker, die behaupten, humanistische Bildung sei heute weitgehend überflüssig. Gerade in Zeiten der Globalisierung und des Lebens in kulturell heterogenen Gesellschaften gebe es einen Bedarf für die Beschäftigung mit dem klassischen Altertum. Um antike Erfahrungen zu nutzen, sei interdisziplinäre Arbeit unverzichtbar – in einem Antike-Zentrum.

Benannt ist es nach dem Altphilologen August Böckh (1785-1867), einem der Gründer der Berliner Universität. Sein Urenkel war jetzt Ehrengast der Eröffnungsfeier. Böckhs Forschung war breit angelegt – vom kosmischen System Platons bis zu den metrischen Systemen des Altertums.

Umfangreiches und differenziertes Wissen über das Altertum habe eine „zentrale Funktion für die Selbstaufklärung“, sagt Christoph Markschies, Direktor des Zentrums und neuer Präsident der HU. Ein Auftrag, den der Kirchenhistoriker auch gesellschaftspolitisch interpretiert. Er verweist auf Plutarch, der die sagenumwobene Schönheit Kleopatras weniger auf ihre optischen Reize zurückführte als auf ihren Charme und Unterhaltungswert. Das neue Antikezentrum, so Markschies, sei zwar nicht übermäßig gut ausgestattet, es werde aber immer wieder die wissenschaftliche Diskussion anregen und dadurch einzigartig sein.

Der von der DFG geförderte Sonderforschungsbereich hat eine längere Vorgeschichte. Ende der 1990er Jahre planten Humboldt- und Freie Universität (FU) ein gemeinsames Zentrum, erhielten die dafür bei der DFG beantragten Mittel jedoch nicht. Im letzten Jahr präsentierte die FU ihr interdisziplinäres Zentrum „Alte Welt“, nun zieht die HU nach. Böhme spricht von der Konkurrenz im Berliner Wissenschaftsbetrieb. Jede Universität sei eben bestrebt, eigene Exzellenzzentren zu etablieren.

Ringvorlesung des Antike-Projekts:

www.sfb-antike.de/Lehre3.html

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