Gesundheit : Gorillas: Flüchtlinge im afrikanischen Hochgebirge

Roland Knauer

Wer kennt sie nicht, die mächtigen Silberrücken. Im Bergregenwald im Dreiländereck zwischen der Republik Kongo, Ruanda und Zaire mustern Gorilla-Männchen neugierig die Touristen, die ihrerseits vorsichtig an der Kamera nesteln. Solche Begegnungen sind die große Hoffnung der Naturschützer vom World Wide Fund for Nature WWF, die Region an den nahezu 5000 Meter hohen Bergflanken der Ruwenzori-Vulkane und der Bergwälder vor der Zerstörung zu retten. Sie erstreckt sich bis nach Burundi und Tansania. Der WWF präsentiert die Bergwälder am Albertine-Grabenbruch-System im Herzen Afrikas derzeit auf der Expo 2000 als eine der zweihundert wichtigsten Regionen, die für den Erhalt der biologischen Vielfalt auf dem Globus unerlässlich sind.

Aber nicht nur der Gorillas wegen halten Naturschützer die Region um die Ruwenzori-Vulkane für unersetzlich. Seit die Kräfte des Erdinnern riesige Vulkane neben tiefen Gräben aus der Erde wachsen ließen, entstand hier eine der wenigen Hochgebirgslandschaften Afrikas, in denen eine Reihe seltener Tiere leben oder ihre letzte Zuflucht fanden. Flachland-Gorillas und die nahe verwandten Schimpansen gehören in die Gruppe der Flüchtlinge. Die Berggorillas dagegen beschränken sich genau wie die 37 nur hier vorkommenden Vogelarten und 14 Schmetterlingsarten schon immer auf die steilen Hänge am Ruwenzori.

Noch, klagen die Naturschützer. Denn in der gleichen Region ist eine weitere Art sehr häufig: der Homo sapiens. Bis zu 1000 Menschen drängen sich in der einzigartigen Hochgebirgslandschaft auf einem Quadratkilometer - vier Mal so viele wie im bereits sehr dicht besiedelten Deutschland. Probleme für die Natur entstehen angesichts des immensen Bevölkerungsdruckes wie von selbst.

Die Bauern roden den Regenwald für ihre Äcker und Weiden, der größte Teil ist bereits der Axt oder dem Feuer zum Opfer gefallen. Auch Holzfäller sind im dritthöchsten Gebirge Afrikas zugange, Wilderer reduzieren die Artenzahl. Bürgerkrieg und Krieg in Ruanda und dem Kongo verstärken den Druck der Menschen auf die wenigen verbliebenen Naturlandschaften noch zusätzlich. Wer sonst nichts findet, holt sich sein Brennholz eben aus dem Nationalpark, um sein Essen zu kochen. Erst wenn wieder Ruhe in die Region einkehrt, können die einmaligen Bergwälder am Albertine-Grabenbruch demnach langfristig gerettet werden. Und auch nur dann, wenn die Menschen sehen, dass sie mit Hilfe der Natur ihren Lebensunterhalt verdienen können.

Da kommen die Berggorillas den Naturschützern gerade recht. In langen Experimenten haben sie sich daran gewöhnt, dass Foto-Touristen ihnen auf den Pelz rücken. Auch lange Wanderungen durch die einmalige Natur der Ruwenzori-Vulkane ziehen mehr und mehr Touristen an. Im Herzen Afrikas zeigt sich deutlich, wie naturnaher Tourismus die Natur retten kann, deretwegen die Reisenden aus aller Welt eintreffen. Zumindest solange Kriege den Naturschützern keinen Strich durch die Rechnung machen.

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