Gesundheit : „Gut und günstig“

Berlin kann stolz sein auf seine Hochschulen, sagt der Wissenschaftssenator

Anja Kühne

Berlins Hochschulen sind nicht „schlecht und teuer“, sondern „gut und günstig“. Mit diesen Worten – gerichtet sicher gerade auch an den Finanzsenator – zog Berlins Wissenschaftssenator Thomas Flierl am Mittwoch Bilanz über das vergangene Jahr. In der Lehre und der Forschung entwickeln sich die Hochschulen überwiegend gut, während sie zugleich dabei sind, ihre Sparauflagen zu erfüllen und ihre Verwaltungen zu optimieren, lautet das Ergebnis des neuen Leistungsberichts des Berliner Senats.

Unter den Universitäten bleibt die Freie Universität nach den Leistungskriterien des Senats in Lehre, Forschung und Gleichstellung zum fünften Mal in Folge die erfolgreichste Uni. Da ein Teil des Landeszuschusses (in diesem Jahr 20 Prozent, im Jahr 2009 sogar 30 Prozent) nach Leistung vergeben wird, müssen die anderen Berliner Unis Geld an die FU abgeben, die FU bekommt in diesem Jahr 800 000 Euro zusätzlich.

In der Lehre gelingt es den Unis, die Zahl der Langzeitstudierenden weiter zu senken. Erreichten im Jahr 2000 nur 36 Prozent den Abschluss in der „Regelstudienzeit plus zwei Semester“, waren es im vergangenen Jahr 41,3 Prozent. Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der Abbrecher leicht: Die Erfolgsquote wuchs von 53 Prozent auf 55 Prozent.

Allerdings stehen die einzelnen Universitäten unterschiedlich da. Die TU führt erst 35 Prozent ihrer Studierenden in der Regelstudienzeit zum Ziel und liegt damit weit hinter der FU (45 Prozent) und der Humboldt-Universität (42,2 Prozent). Auch bei der Erfolgsquote sind FU und HU mit 57 Prozent der TU (50 Prozent) voraus. Deutlich erfolgreicher als alle Universitäten sind aber die Fachhochschulen. Hier erreichen 84 Prozent der Studierenden den Abschluss in der Regelstudienzeit. Die Zahl der Abbrecher ist niedrig, die Erfolgsquote ist auf 77 Prozent gestiegen.

Die Professorinnen und Professoren an Berlins Unis sind beim Einwerben von Drittmitteln mit im Schnitt 158 000 Euro erfolgreicher als der Durchschnitt auf Bundesebene (121 000 Euro pro Professor). Insgesamt haben die Universitäten ihre Ausgaben an Drittmitteln gegenüber dem Jahr 2004 noch einmal um fünf Prozent auf 153 Millionen Euro gesteigert – angesichts der sinkenden Zahl von Professuren und der Pensionierungswelle ein großer Erfolg, wie Flierl festhielt.

Die wirtschaftsnahe TU wirbt mit 62 Millionen Euro den größten Teil der Drittmittel ein – allerdings ist es ihr noch nicht gelungen, ihr Niveau von 2003 wieder zu erreichen, als sie 68,8 Millionen Euro einwarb. Während die Drittmittelausgaben der FU mit 46,1 Millionen Euro konstant geblieben sind, hat sich die HU deutlich gesteigert: von 38,2 Millionen Euro im Jahr 2004 auf 45,1 Millionen Euro in 2005. Ein HU- Professor wirbt jetzt im Schnitt mehr Drittmittel ein (142 000 Euro) als ein FU-Professor (125 000 Euro).

Bei der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses liegt die FU mit im Schnitt 572 Promotionen vor der HU (398) und der TU (420), ebenso bei der Zahl der Habilitationen (FU 56, HU 43, TU 29). Bei den Juniorprofessuren ist die HU führend. Im Jahr 2005 hatte sie 84 Juniorprofessuren, mehr als doppelt so viele als im Vorjahr (FU 50, TU 18).

Für unbefriedigend hält der Senator die geringe Zahl an Fachhochschulabsolventen, die an den Berliner Universitäten promovieren (pro Uni vier bis zwölf). Der Senator erwarte von den Universitäten Maßnahmen, um mehr Fachhochschulabsolventen zur Promotion zu führen.

Den höchsten Frauenanteil unter den Professoren weist die HU auf (20 Prozent), an der FU sind es 19 Prozent, an der TU neun Prozent. Beim Frauenanteil unter den Promovierten führt die FU mit 48 Prozent (HU 38, TU 28 Prozent).

Den höchsten Ausländeranteil an den Studierenden hat die TU. Mit 16 Prozent belegt sie bundesweit einen Spitzenplatz. An der HU kommen elf Prozent aus dem Ausland, an der FU zehn Prozent.

Beim Ausstattungs- und Kostenvergleich der Berliner Hochschulen mit sechs anderen norddeutschen Ländern des Hochschulinformationssystems (HIS) gibt es für die Unis keine neuen Ergebnisse. Der alte Bericht mit Zahlen von 2002 zeigt aber, dass Berlins in vielen Rankings weit oben stehende Unis kaum teurer als jene in der Provinz sind und zusätzlich eine weit höhere Auslastung in der Lehre haben. Neu ist der Blick auf die Fachhochschulen: Hier schneidet Berlin in der Lehre überdurchschnittlich gut ab. Seine Fachhochschulen sind im Vergleich nicht nur günstiger, sondern haben auch eine deutlich höhere Erfolgsquote der Studierenden vorzuweisen.

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