Gesundheit : „Gute Ärzte mit wenig Forschung“

Das CHE verteidigt sein Hochschulranking

-

Bei seinem Hochschulranking legt das CHE großen Wert auf das Urteil derStudierenden. Das führt zu Verzerrungen, unter anderem in der Medizin: So fälltdie forschungsstarke Berliner Charité durch, während eine Provinz-Uni wie Lübeckin der Spitzengruppe gesehen wird.

Die Urteile der Studierenden haben in der Tat großes Gewicht, führen abernicht zu Verzerrungen. Lübeck liegt auch bei den Forschungsindikatoren meist inder Spitzengruppe. In der Medizin haben wir insgesamt 34 Kriterien, darunter auchausreichend Fakten, die wir der Studentenmeinung gegenüberstellen. Und das geschiehtauch in der ausführlichen Publikation des Rankings im Internet. Danach ist dieCharité bei einigen Forschungsindikatoren in der Spitzengruppe, etwa bei den Drittmittelnund bei den Zitaten je Publikation, aber auch bei einigen Studierendenurteilen– von „Durchfallen“ kann also keine Rede sein.

Wahrgenommen werden aber die in der „Zeit“ veröffentlichten Listen mit nurfünf Kriterien, und da fehlen die Forschungsgelder. So bekommt auch die Medizinder Privatuni Witten-Herdecke beste Noten – kurz nachdem der Wissenschaftsratempfohlen hat, den Studiengang einzustellen.

Um die Forschungsleistung abzubilden, haben wir die Publikationen abgedruckt. Über die Drittmittel kann man sich im Internet informieren – und wir wissen, dass viele Studienanfänger das auch tun. In einer neuen Absolventenstudie von Witten-Herdecke sagen die Studierenden, dass sie dort gute Ärzte geworden sind, auch wenn sie nur geringe Forschungskompetenz erworben haben.

In der Zusammenfassung „Ranking kompakt“, den der „Zeit“-Studienführer zujedem Fach bietet, werden nur die studentischen Bewertungen und die Professorenmeinungzitiert. Wie steht das CHE dazu?

Es ist sehr schwierig, die vielfältigen Ergebnisse auf so kurzem Raum zusammenzufassen. Ich halte es für sinnvoll, dass sich die „Zeit“-Redaktion da auf Kriterien beschränkt, die die Studierenden besonders interessieren.

Häufig irren die Professoren: So erreicht die Chemie in Göttingen Spitzenwerte,aber die Profs schätzen sie als mittelmäßig ein.

Die Professorenmeinung ist kein Leistungsindikator, sie spiegelt nur das Ansehen der Fachbereiche wieder.

Müssen Sie das Ranking neu konzipieren?

Es hat eine hohe Akzeptanz. Eine Lücke, die wir noch füllen wollen, sind Fragen zum Arbeitsmarktbezug: Wie gut gelingt der Berufseinstieg, wie verlaufen die Karrieren? Hier hoffen wir künftig auf bessere Daten . Eine große Herausforderung sind auch Bachelorstudiengänge: Wir werden prüfen, ob ein getrenntes Ranking für Unis und Fachhochschulen künftig noch Sinn macht.

Das Gespräch führte Amory Burchard.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben