Gesundheit : Gute Noten für deutsche Auslandsinstitute

Heiko Schwarzburger

Der Wissenschaftsrat hat sich die acht geisteswissenschaftlichen Auslandsinstitute der Bundesrepublik in Rom, Florenz, Paris, London, Washington, Warschau, Beirut und Tokyo angesehen und empfohlen, solche Institute auch in Moskau, Israel und Lateinamerika zu gründen. Die vom Bundesforschungsministerium mit 42,4 Millionen Mark geförderten Zentren betreiben vor allem regionale Kulturwissenschaften und Geschichtsforschung. So bereitet das Deutsche Historische Institut in Paris derzeit ein zwölfbändiges Konvolut zur deutsch-französischen Geschichte vor, wie Institutschef Werner Paravicini in Berlin mitteilte. Der erste Band soll 2002 erscheinen. Das Orient-Institut in Beirut und Istanbul forscht unter anderem zu den christlichen Glaubensgemeinschaften im Libanon. "In dieser Region sind 18 Konfessionen bekannt, davon 14 nicht moslemische", sagte Angelika Neuwirth, die das Institut bis Ende vergangenen Jahres geleitet hatte. Jetzt lehrt sie Arabistik an der Freien Universität. "Dennoch wird unser Bild vom Nahen Osten stark durch die islamischen Fundamentalisten geprägt." Das Orient-Institut wurde wegen des Bürgerkriegs im Libanon viele Jahre lang nach Istanbul verlegt. Dort soll jetzt ein weiteres Institut speziell zur Türkei-Forschung und zur Turkologie entstehen.

"Die Auslandsinstitute leisten, was an Universitäten nicht möglich ist", beschrieb Winfried Schulze, Historiker und Vorsitzender des Wissenschaftsrates, ihre Aufgabe. "Dazu gehört vor allem, Hilfsmittel für eine hochkarätige Forschung bereitzustellen." Er bescheinigte den Instituten, für die Kulturwissenschaften neue Trends offensiv anzupacken. "Die hochentwickelten Gesellschaften in Europa und den USA haben zunehmend Probleme mit ihrem inneren Zusammenhalt", meinte er. "Die Auslandsinstitute leisten einen wichtigen Beitrag, um die Reibungspunkte zwischen den Kulturen und gemeinsame kulturelle Erbschaften zu erforschen." Anders als die Goethe-Institute betreiben sie keine aktuelle Kulturpolitik, sondern widmen sich langfristigen Forschungsprojekten und organisieren den wissenschaftlichen Austausch. Gemeinsam mit den Universitäten vor Ort geben sie zahlreichen Nachwuchsforschern die Möglichkeiten, ihre Projekte im Gastland abzuschließen. So legt das Orient-Institut demnächst ein großes Forschungsprogramm zum Zusammenleben der Kulturen in der Levante auf. Dieses Gebiet bezeichnet die Länder des östlichen Mittelmeeres, vor allem ihre Küstenstreifen, wo eine europäisch-orientalische Mischbevölkerung lebt. Katholische Glaubensgemeinschaften siedeln in unmittelbarer Nähe moslemischer Hochburgen. Hier kreuzen sich die Interessensphären regionaler und globaler Großmächte.Mehr zum Thema im Internet unter

www.oidmg.org , www.dhi-paris.fr

www.wissenschaftsrat.de .

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