Gesundheit : „Haben Sie einen schlechten Arzt?“

Wie die USA versuchen, ihr Gesundheitswesen zu verbessern

Rosemarie Stein

Jede Tag sterben in Amerika so viele Patienten an den Fehlern ihrer Ärzte, als stürzten drei voll besetzte Jumbo Jets ab, behauptet der Gesundheitswissenschaftler Joachim Roski aus Washington. „Haben Sie einen schlechten Arzt? Sie werden es vielleicht niemals mehr erfahren“, zitiert Roski eine amerikanische Schlagzeile. Auf Einladung des „Berliner Zentrums Public Health“ und der amerikanischen Botschaft sprach er darüber, wie man sich in den USA bemüht, die Qualität der medizinischen Versorgung zu verbessern und ob Deutschland von den amerikanischen Erfahrungen profitieren kann.

Die steigenden Kosten im teuersten Gesundheitswesen der Welt mit 15 Prozent unversicherten Bürgern versucht man seit etwa drei Jahrzehnten durch „Managed Care“-Organisationen zu dämpfen, denen heute die meisten Amerikaner angehören. Sie verbinden Krankenversicherung und integrierte Versorgung und konkurrieren mit möglichst niedrigen Beiträgen um Mitglieder.

Dafür ist deren freie Arztwahl eingeschränkt, und selbst notwendige Leistungen wurden den Patienten so oft verweigert, dass sie revoltierten, ebenso wie die zahlungspflichtigen Arbeitgeber und die staatlichen Kostenträger.

Deshalb ergänzte man den ökonomischen um den Qualitätsaspekt und gründete vor etwa zwölf Jahren das gemeinnützige „National Commitee on Quality Ascurance (NCQA)“, in dem Roski Vizepräsident der Sektion Qualitätserfassung ist. Im Aufsichtsrat der (etwa wie die Stiftung Warentest konstruierten) Einrichtung sind nicht nur die „Anbieter“ und die privaten und öffentlichen „Einkäufer“ medizinischer Leistung, sondern auch deren „Konsumenten“, die potenziellen Patienten, vertreten.

Im öffentlichen Bewusstsein, auch dem der Politiker, steht nach Roski die Qualität im Gesundheitswesen ganz oben. Zu den Kriterien, an denen sie gemessen wird, gehören neben Punkten wie Effektivität der Leistungen oder Häufigkeit bestimmter Eingriffe in einer Klinik auch die Beurteilung der Ärzte (Information und Beratung, Praxisorganisation) durch die Patienten. Für qualifizierte, an wissenschaftlich begründeten Leitlinien orientierte Arbeit mit guten Ergebnissen erhalten Ärzte einen Bonus.

Qualität wird publiziert

Die Daten zur Qualität werden nicht nur – wie allmählich auch in Deutschland – erhoben, sondern sie werden publiziert. Denn die Verbraucher verlangen mehr „Markttransparenz“ auch im Gesundheitswesen: Aktuelle und vergleichbare Informationen, damit sie wissen, für welche Krankenversicherung, welche Klinik oder welchen Arzt sie sich entscheiden sollen.

Einiges könnte Deutschland daraus lernen, das zwar das zweitteuerste, aber in den Ergebnissen nur durchschnittliche Gesundheitswesen hat. Roski vermisst hier „die starke Stimme“ der Versicherten und Arbeitgeber, die ständige Forderung nach guten Ergebnissen medizinischer Leistungen, die Veröffentlichung der Ergebnisse, die Vergütung nicht nach einzelnen ärztlichen Leistungen, sondern nach Ergebnissen und die Motivation der Krankenkassen und Leistungsanbieter zur Qualitätsverbesserung.

Die amerikanische Gesundheitsversorgung hat sich nach seiner Aussage durch „Managed Care“ inzwischen verbessert. So konnten zum Beispiel dank besserer Kontrolle des Blutdrucks jährlich mehr als 10 000 Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindert werden.

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