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Der erste erdähnliche Planet außerhalb des Sonnensystems kann der Suche nach fremdem Leben Auftrieb verleihen

Rainer Kayser

Für unsere Vorfahren war der Himmel der Wohnort von Göttern, heute suchen wir bei fernen Sternen und Planeten nach Anzeichen für außerirdisches Leben. Es scheint eine kollektive Sehnsucht danach zu geben, dass der Mensch nicht allein ist in den unermesslichen Weiten des Weltraums. Vielleicht wird diese Sehnsucht schon bald erfüllt. Denn an mehreren Fronten nähert sich die moderne Forschung einer Antwort auf die Frage: Sind wir allein im All?

Technisch immer raffiniertere Raumsonden suchen auf dem Mars nach Spuren primitiver Lebensformen. Möglicherweise gelingt es schon der europäischen Exo-MarsMission im Jahr 2014, Bakterien im Boden des roten Planeten aufzuspüren. Mit immer aufwendigeren Empfängern lauschen die Astronomen nach Radiosignalen von außerirdischen Zivilisationen. Und mit immer größeren Fernrohren suchen die Himmelsforscher nach lebensfreundlichen Welten bei anderen Sternen.

Gerade gestern haben Astronomen der Europäischen Südsternwarte die Entdeckung eines erdähnlichen Planeten in 20 Lichtjahren Entfernung verkündet. Selbst wenn nur wenige Sterne ähnlich lebensfreundliche Planeten besitzen – angesichts der immensen Zahl von bis zu 200 Milliarden Sternen allein in unserer Galaxis, der Milchstraße, könnte dies immer noch Abermillionen lebensfreundlicher Welten bedeuten.

„Unser Sonnensystem ist ein ganz normales. Und angesichts der Milliarden Sonnensysteme in unserer Galaxie und der zahllosen anderen Galaxien im Weltall halte ich es für überheblich, das Leben auf der Erde als einzigartig anzusehen“, argumentiert Gerda Horneck, Wissenschaftlerin vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln.

Auf der Erde sind die ersten primitiven Lebensformen nach heutigen Erkenntnissen vor etwa 3,9 Milliarden Jahren entstanden. „Bis dahin war die Erde noch einem heftigen Bombardement kosmischer Trümmerstücke ausgesetzt“, erläutert Nasa-Forscher Donald Yeomans die Situation in der Jugendzeit unseres Sonnensystems. Dann erst kühlte die Oberfläche der Erde langsam ab, Regen fiel, erste Ozeane bildeten sich. Und fast sofort entstanden die ersten einzelligen Lebensformen. Daraus ziehen viele Astrobiologen den Schluss, dass Leben, zumindest primitives Leben, mit Leichtigkeit entsteht, wenn nur die richtigen Bedingungen herrschen.

Weit schwieriger ist die Frage zu beantworten, ob sich aus Einzellern zwangsläufig auch komplexere Lebensformen, intelligente Wesen und gar technische Zivilisationen entwickeln müssen.

Unsere Erde war drei Milliarden Jahre lang allein von Bakterien bevölkert, bevor Pflanzen und Tiere die Welt eroberten. Und der Mensch betrat erst vor wenigen Millionen Jahren die Bühne der irdischen Geschichte. Die Entstehung komplexen Lebens könnte ein seltenes, von vielen Zufällen abhängiges Ereignis sein, meinen deshalb Forscher wie der Astronom Donald Brownlee und der Paläontologe Peter Ward.

Nach Ansicht anderer Forscher ist dieses vermeintliche Nadelöhr der Evolution – der Sprung vom einzelligen zum komplexen mehrzelligen Leben – allerdings nur ein natürlicher Übergang, der sich auf anderen Planeten ganz ähnlich abspielen könnte. Die Umweltbedingungen auf einem Planeten entwickeln sich danach gemeinsam mit dem Leben. „Komplexes Leben entstand erst, als es genügend Sauerstoff in der irdischen Atmosphäre gab“, erklärt der Nasa-Forscher Christopher McKay. Zunächst mussten fleißige Bakterien per Photosynthese die Zusammensetzung der Erdatmosphäre ändern. Ein Vorgang, der Milliarden von Jahren beansprucht.

Doch auch eine optimistische Sichtweise führt zu Problemen, wie der Physiker Enrico Fermi bereits 1943 vorrechnete: Selbst mit bescheidenen technischen Mitteln könnte eine raumfahrende Spezies innerhalb weniger Millionen Jahre die ganze Galaxis besuchen. Die Außerirdischen müssten inzwischen also in jedem Winkel der Galaxis Spuren hinterlassen haben. Für Fermi war die Sache damit klar: Wir sehen diese Spuren nicht – also gibt es keine außerirdischen Intelligenzen!

„Vermutlich verdanken wir unsere Existenz einer guten Portion Glück“, meinte auch der 2002 verstorbene amerikanische Paläontologe Stephen Jay Gould. Die Evolution, schrieb Gould, sei kein zielgerichteter, sondern ein unvorhersagbarer, chaotischer Prozess. Zwar habe ihre Intelligenz der Gattung Homo gegenüber anderen Lebewesen einen gewaltigen Vorteil verschafft. Doch ob dieser Vorteil von Dauer ist oder ob die Menschheit kaum mehr als eine Fußnote in der Geschichte des Planeten Erde bleibt, müsse sich erst noch zeigen.

Wer Recht hat, werden wir wohl erst wissen, wenn die großen Radioteleskope tatsächlich außerirdische Signale empfangen. Der amerikanische Radioastronom Frank Drake unternahm 1960 als Erster den Versuch, Signale außerirdischer Zivilisationen aufzuspüren. Seitdem gab es mehr als 100 ähnlicher Vorhaben.

SETI, die Suche nach extraterrestrischen Intelligenzen, ist zu einem respektierten Forschungsfeld geworden. Das von Drake mitbegründete SETI-Institut errichtet 400 Kilometer nordöstlich von San Francisco eine kilometergroße, aus 350 Antennen bestehende Empfangsanlage, die speziell der Suche nach außerirdischen Signalen dienen soll. Nach ihrer Fertigstellung kann der Antennenwald eine Million Sterne auf Milliarden von Frequenz-Kanälen belauschen.

Bislang waren zwar alle SETI-Projekte ohne Erfolg, doch Drake bleibt optimistisch: „In etwa 20 Jahren werden wir irgendwo im Band der Milchstraße auf eine Zivilisation stoßen.“ Was aber, wenn die Suche erfolglos bleibt? „Es kann sein, dass sich eine Kultur so entwickelt, dass wir sie nicht mehr aufspüren können“, sagt Drake. „Unsere Fantasie ist auf das begrenzt, was wir kennen!“

Niemand kann auch nur erahnen, wohin die biologische, kulturelle und technische Evolution intelligenten Lebens führt. Vielleicht ist unsere Radiotechnik für Außerirdische so primitiv wie für uns Buschtrommeln und Rauchsignale.

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