Gesundheit : Hammelsprung im Audimax

TU-Studenten streiten über Besetzungen – und streiken weiter

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HumboldtStudenten halten das Büro des Wissenschaftssenators besetzt, Studenten der Freien Universität stürmen die Parteizentrale der PDS – und was macht die Technische Universität? Dort streitet man über die Besetzung von Gebäuden der Hochschule. „Das Hauptgebäude ist zentral für alle Fakultäten – wegen Bibliotheken und Seminarräumen“, klagt eine Studentin der Wirtschaftswissenschaften in der Vollversammlung über die Blockade. Und ein Mathe-Student bezweifelt, dass man mit Besetzungen die Öffentlichkeit überzeugen kann.

Im mit 2000 Studierenden überfüllten Audimax wird schließlich per Hammelsprung abgestimmt. Das knappe Ergebnis: 950 sind für weitere Besetzungen, 929 dagegen. Die Fortsetzung des Streiks wird aber mit großer Mehrheit beschlossen. Und die VV spricht sich dafür aus, das Wintersemester um drei Wochen zu verlängern, damit versäumte Veranstaltungen nachgeholt werden können.

„Streik für eine weitere Woche“ beschließen auch die Vollversammlungen an der Humboldt-Universität am Nachmittag – mit überwältigender Mehrheit. Der Innenhof des Hauptgebäudes in Mitte ist schwarz vor Menschen, überfüllt ist auch ein großer Hörsaal in Adlershof.

50 bis 60 Studenten sprengen am Nachmittag die Sitzung des Akademischen Senats der Freien Universität. Sie blasen in ihre Trillerpfeifen, poltern gegen Tische und Stühle im Raum und schreien den Namen des FU-Präsidenten: „Lenzen, Lenzen!“ Auch die Schweigeminute zum Andenken an den verstorbenen FU-Professor Axel Zerdick stören die Studenten mit Gejohle. Die Sitzung des Gremiums, in der es auch um die Sparvorschläge des FU-Präsidiums gehen sollte, wird um einige Stunden verschoben und an einen anderen Ort verlegt.

Zu einem Teach-in mit dem Politologen Peter Grottian kommen fast 200 Studenten in die Silberlaube vor die FU-Mensa. Sie diskutieren über Alternativen zum jetzigen Sparkurs des Berliner Senats. Der Biologie-Professor Carsten Niemitz hält im weißen Kittel eine öffentliche Vorlesung auf dem Hermann-Ehlers-Platz über die Entwicklung des Gehirns ab – vor etwa 70 Studenten. Am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität hindern Studenten ihre Kommilitonen daran, an regulären Seminar teilzunehmen. Nur der Zugang zu alternativen Seminaren ist erlaubt. Der Betrieb bei den Juristen laufe jedoch normal, berichtet eine Studentin. Erziehungswissenschaftler und Psychologen wollen ab heute die Rost- und Silberlaube besetzen – und sich gegen die Bedenken der Germanisten durchsetzen. Über die Fortsetzung des uniweiten Streiks stimmt die Freie Universität stimmt am kommenden Montag ab.

Am heutigen Donnerstag wollen sich Studenten um 12 Uhr zu einer gemeinsamen Demonstration auf dem Potsdamer Platz treffen – zum Marsch aufs Rote Rathaus. Schon um 10 Uhr wollen die Grünen-Politikerinnen Sibyll Klotz und Lisa Paus im Abgeordnetenhaus (Raum 320) mit Studierenden diskutieren. kal / -ry / akü

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