Gesundheit : Handlungsfreiheit für die neue Leitung

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Der Auftrag für die Gutachter lautete, ab 2003 etwa 98 Millionen Euro einzusparen. Dieses Ziel wird jetzt für 2010 vorgeschlagen – ein langer Zeitraum in dem viel geschehen, möglicherweise auch nicht geschehen wird. Nur wenn schnell klare Organisationsstrukturen geschaffen werden, kann der Imageschaden und der sich abzeichnende BrainDrain, der Verlust an den besten Köpfen der Berliner Hochschulmedizin, begrenzt werden.

Richtig im Gutachten ist unter den gegeben fiskalischen Umständen, beide Klinika unter einer starken Leitung mit hoher Professionalität zusammen zu führen. Auch die geforderte unternehmerische Eigenverantwortlichkeit wird unterstützt. Dieser Prozess muss von einem starken Aufsichtsgremium begleitet und gestützt werden.

Falsch ist sicher die „längerfristige“ – was immer das heißen mag – Konzentration auf die zwei Standorte: das Benjamin Franklin in Steglitz und die Charité in Mitte, da damit das hohe wissenschaftliche Leistungspotenzial des Campus Virchow nicht genutzt werden kann. Gerade im Virchow sind in den letzten Jahren hervorragende klinische Forschungspotenzen entwickelt worden, deren langsames Siechtum ein Verlust für die Wissenschaft wäre. Richtig hingegen wäre es, die Verteilung der Ressourcen und deren funktionelle Vernetzung dem neuen Leitungsgremium zu überlassen. Richtig ist auch die Anregung zur wissenschaftlichen und klinischen Schwerpunktbildung. Falsch hingegen ist die kleinteilige Festlegung, was wo zu geschehen hat. Dies ist der freien und leistungsbezogenen Entwicklung des neuen Gesamtklinikums sicher abträglich. Der neue Vorstand sollte die Details festlegen können. Dies ist um so wichtiger, da sich in von heute immerhin sieben Jahren erhebliche inhaltliche Verschiebungen der geplanten Schwerpunkte ergeben werden. Gebt den Verantwortlichen endlich Handlungsfreiheit!

In dem Gutachten fehlt der ausdrückliche Appell an die Berliner Politik, noch einmal zu prüfen, ob Ihre Entscheidung vom Dezember letzten Jahres, 98 Millionen Euro, also etwa 2000 Arbeitsplätze, in der Wissenschaft einzusparen, richtig war. Sollte der allgemein als sehr erfolgreich und prosperierend anerkannte Medizin-BioTec-Komplex als Leuchtturm Berlins nicht eher gefördert und als Motor für weitere wissenschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen genutzt werden? Das wäre zukunftsorientierte Politik.

Der Autor ist ärztlicher Direktor der Charité.

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