Gesundheit : Hans-Jürgen Ewers: Die TU wünscht keinen Kurswechsel

Uwe Schlicht

Der Akademische Senat der Technischen Universität hat den bisherigen Präsidenten Hans-Jürgen Ewers gestern in geheimer Sitzung mit 16 Stimmen für eine erneute Kandidatur für das Präsidentenamt nominiert. Die Präsidentenwahl soll am 17. Januar 2001 stattfinden - das Wahlgremium ist das mit 61 Universitätsmitgliedern besetzte Konzil. Als Ewers im Januar 1997 im Konzil für seine erste vierjährige Amtszeit gewählt worden war, hatte er nur eine Stimme Vorsprung vor seinem Gegenkandidaten aus der linken Reformfraktion, Professor Ulrich Steinmüller.

Bei der gestrigen Nominierung im Akademischen Senat dürften auch Mitglieder der linken Reformfraktion für Ewers votiert haben, denn die eigentliche Hochburg des derzeitigen Präsidenten ist die Koalition von Konservativen und Liberalen und die hat im Akademischen Senat 13 Stimmen. 12 Stimmen stellen die Linken. Aus der Abstimmung bei der Nominierung eine Prognose für die künftige Wahl im Januar ableiten zu wollen, ist noch verfrüht. Fest steht nur, dass Ewers keinen Gegenkandidaten hat, vor allem keinen, der aus der TU kommt. Dennoch ist das Wahlverfahren damit nicht unproblematisch. Wenn Ewers nicht im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit von mindestens 31 Stimmen im Konzil erreicht, ist er weg vom Fenster. Gäbe es dagegen mehrere Kandidaten, könnte die Wahl bis zu einem dritten Wahlgang solange durchgezogen werden, bis mit einfacher Mehrheit ein neuer Präsident gefunden ist.

Mit Ewers hatten sich insgesamt sechs Persönlichkeiten um das Präsidentenamt beworben, aber der Akademische Senat fand nur Ewers als würdig für eine erneute Nominierung. Ebenfalls wurde als einziger Kandidat für das Amt des ersten Vizepräsidenten der Mathematiker, Professor Kurt Kutzler, nominiert. Auch er nimmt dieses Amt schon jetzt wahr.

Offensichtlich will die Technische Universität mitten im Reformprozess nicht die Pferde wechseln. Denn die Reform der TU ist noch keineswegs beendet: Nach der Anpassung der TU an die großen Sparauflagen folgte die Neugliederung der einst in fünfzehn Fachbereiche zersplitterten TU in künftig acht Fakultäten. Jetzt ist die Binnengliederung dieser Fakultäten in Institute vorrangig, und ebenso wichtig ist die Definition der fünf bis sieben großen Forschungsvorhaben, mit denen die TU in den nächsten Jahren in Deutschland eine Spitzenstellung erringen will. Die Budgetierung, und damit die größere Selbstständigkeit der Fakultäten bei der Verteilung der Haushaltsmittel, wird vom nächsten Jahr an umgesetzt. Außerdem steht die Einrichtung eines Kuratoriums neuer Art , wie es bereits die Humboldt-Universität und die Freie Universität besitzen, auf der Tagesordnung und damit die Verabschiedung einer Reformsatzung. Auch die Technische Universität will sich künftig in strategischen Fragen ihrer Entwicklung von herausragenden Vertretern der Wirtschaft, der Politik und der Gesellschaft beraten lassen.

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